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die vergrößernde und verkleinernde Wirkung der Linsen richtig erkannt oder gar sie zur Korrektion von weitsichtigen, kurz- sichtigen und alterssichtigen Augen benutzt. Brillen kannten weder die Griechen noch die Römer, obwohl Kurzsichtig- keit und Alterssichtigkeit vielfach erwähnt wurden. Auch die Annahme, daß der Kaiser Nero wegen einer Kurzsichtigkeit sich eines geschliffenen Smaragds bedient habe, um die Gla- diatorenkämpfe zu beobachten, ist als Fabel erkannt. Offenbar hat er für seine schwachsichtigen Augen sich nur des gefärbten Steins als Schutzglas bedient. Es sollten noch über tausend Jahre vergehen, bis im Jahre 1285 die ersten korrigierenden Augengläser verwendet wurden. Die sogen. späthellenistischen und byzantinischen Sammlungen brachten im allgemeinen nichts wesentlich neues. Mit dem Untergang des weströmischen Reiches im 5. Jahrhundert n. Chr. aber trat bekanntlich ein Verfall der Kultur und der Wissenschaften im Abendlande ein, der bis zum Ende des Mittelalters andauerte. Das Verdienst, über diese ganze dunkle Epoche hinweg die Heilkunde der alten Völker be wahrt und weiter überliefert zu haben, gebührt den mohamme danischen Arabern.Während die Stürme der Völkerwande- rung über Europa dahingingen und auf den Trümmern des römischen Reiches sich im Abendlande die Germanen, öst- lich von ihnen die Slawen entwickelten, erhob sich zu un- geahnter Kultur in Asien und Afrika das Weltreich der Kalifen, das sich von Bagdad bis weit nach Westen, bis Spanien und Südfrankreich erstreckte. Im 12. Jahrhundert n. Chr. zählt das arabische Spanien 70 Bibliotheken und 17 glänzende Hochschulen, während das ganze übrige Europa keine einzige ordentliche Bibliothek und nur wenige Fakultäten besaß. Das arabische Spanien wurde die Lehrmeisterin des Abendlandes. (1ZUirschberg.) Sehr ausgedehnt waren die augenärzt lichen Kenntnisse der Araber. Wenn sie auchdie grieschische Wissenschaft durch Ubersetzungen aus dem Griechischen und Lateinischen ins Arabische sich angeeignet haben, so ist doch nicht zu verkennen, daß sie viel Neues hinzubrachten, es ent- standen große klassische Lehrbücher der Augenheilkunde, die in Rückübersetzungen in lateinischer Sprache auf uns gekommen sind. Persische und indische Einflüsse sind dabei deutlich zu erkennen. Die berühmte Bibliothek des Escorial bei Madrid enthält eine grobe Anzahl solcher arabischer Handschriften und