Einzelbild herunterladen

.

zwar mit der sicheren Aussicht seines endgültigen Sieges über alle Formationen mit Ausnahme des Hochmoors. Befähigt dazu ist er durch die Langlebigkeit und das Höhenwachstum der Bäume, die, wenn sie einmal über die niedrigeren Formationen hinausgewachsen sind, ihnen vor allem das Licht als wichtigstes Lebensagenz entziehen und sie entweder vernichten oder nur in ihren besonders schattenfesten Arten Lebensmöglichkeit geben, aber dann in eine dienende Stellung zurückdrängen und zur Be- gleitflora degradieren. Der Wald hat die Tendenz der Expansion. Nur allein das Hochmoor mit seinen den Boden versäuernden Eigenschaften wehrt sich erfolgreich gegen die Invasion des Waldes ebenso wie die jeder anderen Formation. Deutschland würde, sich vollständig selbst überlassen, in einigen Menschen- altern schon zum größten Teil mit Wald bedeckt sein. Wo der Wald einmal Fuß gefaßt hat, da erhält er sich aus eigener Kraft, er hat, nach menschlichen Maßen gemessen, ewige Dauer.

Nur erwähnt kann werden, daß auch die Fauna des Waldes kein willkürlich hinzugekommener und gleichgültiger Teil von ihm ist, sondern daß das Heer der Insekten und Vögel und Säugetiere des Waldes in gleicher Weise an der Lebens- gemeinschaft teilhaben, durch tausend Fäden mit den Bäumen und der übrigen Flora und den vom Wald geschaffenen Sonder- klima und Sonderboden verknüpft sind.

III.

Nach allem, was ich bisher angeführt habe, besteht kein Zweifel, daß der Wald als eine große soziale Einheit, als Ein- heit höherer Ordnung, als organische Ganzheit aufgefaßt werden kann, ja muß. Der reich gegliederte Wald ist eine wahre innige Lebensgemeinschaft, eine Biozoenose, mit klar nachweis- baren Beziehungen zwischen den einzelnen Gliedern, den sozialen Schichten und den sie zusammensetzenden Individuen unter sich und mit der Gesamtheit der Individuen und der Umwelt. Das Ganze ist wirklich mehr als seine Teile, es werden neue Kräfte entbunden und wirksam, die das summarische Zusammenleben tatsächlich zur Lebensgemeinschaft machen. Es bestehen Wechsel- bezzehungen der verschiedensten Art, es herrscht im Leben des Waldes, wie ganz allgemein im sozialen Leben, Kampf, aber auch gegenseitige Hilfe, es besteht die Polarität Synergismus und Antagonismus, es lassen sich Abhängigkeitsverbindungen