„„
des belaubten dunklen Waldes arten- und individuenarm, nur wenige, starken Schatten noch ertragende Kräuter wie Oxalis der Sauerklee, Asperula der Waldmeister, Majanthemum bifolium die Schattenblume, Mercurialis das Bingelkraut, vermögen in ihm zu leben. 5
Ein zweites Beispiel der Wechselwirkungen in der Assozia- tion Wald ist die Ausbildung ganz bestimmter Gestalt quali- täten der im Wald vereinigten Pflanzenindividuen, die besonders in der Baumschicht erforscht und auch dem Laien auffallend sind. Im Freistand, wo der Baum von keinem Art- oder Gat- tungsgenossen bedrängt wird, bilden unsere Bäume eine breite, wuchtige, abgeflachte Krone, einen kurzen aber dicken Stamm mit kräftigen zahlreichen Xsten aus. Es entsteht die Tracht des Freilandbaumes, des Solitär- und Parkbaumes, der Dorflinde und der Dorfeiche. Im Gesellschaftsgefüge aber, in der Assoziation drängt der Schlußstand die Kronen in die Höhe. Von allen Seiten eingeengt und seitlich des Lichtes beraubt, sitzen die Xste meist wie Büschel auf dem hohen, aber astreinen und vollholzigen d. h. oben und unten nahezu gleichdicken Stamm, ein ganz anderes, vom Baumtyp des Freistandes von Grund aus verschiedenes äuße- res Bild, ein Ergebnis der Wechselwirkungen von inneren Eigen- schaften und der Umwelt, der sozialen Umgebung, des Kampfes der Bäume um Licht und Raum. Nur die durch Erbanlage oder Umweltbedingungen begünstigten, raschwüchsigsten, lebenskräf- tigsten Individuen derselben Art oder verschiedener Arten von Bäumen, die durch besondere physiologische Eigenschaften wie Schattenfestigkeit und Raschwüchsigkeit oder beides ausgezeich- net und unter sich konkurrenzfähig sind, können sich in der As- soziation halten und ein hohes Alter erreichen, das Alter der sog. Hiebsreife, das notwendig ist zur Erzeugung der von der Volks- wirtschaft begehrten Holzsortimente. Nur der wahrhaft Tüch- tige siegt. Alle irgendwie schwachen, minderwertigen Individuen werden unfehlbar im Laufe des langen Lebens des Bestandes un- terdrückt. Der Unterdrückte wehrt sich, lebt auch in beschränk- tem Lichtgenuß oft noch jahrzehntelang weiter, bis schließlich die übermächtige Kronen- und Wurzelkonkurrenz des siegrei- chen Nachbarn ihm sein Existenzminimum an Licht und Boden- nahrung nicht mehr finden läßt und seinen Tod herbeiführt, oder der vorgewachsene Baum durch Verlust der Krone durch Wind- bruch, Rauhreif, Blitzschlag oder infolge der Einwirkungen von
5
4


