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die Entwicklung des Waldes als eines Gesellscchaftsgefüges zu erkennen, in diese Entwicklung planmäßig und sinnvoll einzu- greifen und sie zum menschlichen Nutzen, zur Bedarfsdeckung der Volkswirtschaft mit dem unentbehrlichen Gut Holz und den sonstigen Produkten des Waldes zu leiten. Savoir pour prévoir, prévoir pour prévenir. Die konkrete Realität, die letzte Einheit und das Objekt der Forschung ist nicht der einzelne Baum, son- dern die Gesamtheit der Pflanzen und Tiere mit ihren Wechsel- beziehungen, die Gemeinschaft, das Assoziations indivi- duum, das ist die in der Natur gegebene mehr oder weniger in sich gleichartige Waldfläche, forstlich seit langem, allgemein soziologisch neuerdings erst als Bestand bezeichnet.

Diese moderne Betrachtungsweise des Waldes als eines ein- heitlichen sozialen Gebildes, die sich eng an die Methode der allgemeinen Pflanzensoziologie anlehnt, von ihr zahlreiche An- regungen erfahren wie ihr ebenso gegeben hat, kommt freilich nicht von ungefähr. Sie hat ein äußerst lehrreiches und frucht- bares Vorbild in der Soziologie im althergebrachten Sinn, in der Gesellschaftslehre des Menschen, deren Begründer der franzö sische Philosoph August Comte(17981875) geworden ist, von dera auch das Wort Soziologie stammt. Sie hat dann in diesem eingeschränkten Sinne eine rasche und, wie man sagen muß, glärzende Weiterbildung erfahren. Philosophisch begründet und auf breiteste Grundlage gestellt wurde die Ganzheitsbetrachtung neuerdings von Driesch. Aber schon Goethe ist sie geläufig, ja sie ist charakteristisch für seine Denkweise. Goethe sieht das wechselseitige Aufeinanderbezogensein der Organe im Lebewesen und aller Lebewesen in der Welt, er erkennt die Zweckmäßig- keit, die sich aus dem Zusammenwirken aller Teile ablesen läßt. Er sagt:Man muß die ganze Natur zusammenfassen, um über das Einzelne Licht zu bekommen, hinter der Erscheinungen Flucht die Einheit erstreben. Die soziologische Betrachtungs- weise in der Biologie und damit auch in der Forstwirtschaft hat somit ihren Ausgangspunkt in der gleichsinnigen Entwicklung der Geisteswissenschaften genommen, wenn sie dieser freilich auch heute noch in mancher Hinsicht nachhinkt, in anderer sie wolil überflügelt hat. Diese Ubernahme einer Forschungsmethode von den Geistes wissenschaften in die Natur wissenschaften ist zu- gleich ein reizvolles Beispiel dafür, wie ein irgendwo in einer Dis- ziplin gefaßter guter Gedanke befruchtend um sich greift, Uni-