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geschichte. Oder: von einem gänzlich vergangenen Volke gibt es für uns Gegenwärtige nur Kulturgeschichte, nicht aber polilische Geschichte. Wenn aber die Aufgabe des politischen Historikers— der damit eine der wichtigsten Lebens funktionen in seinem Volke übernimmt! es ist, vergangenen Willen als gegenwärtig beanspruchenden Willen sichtbar zu machen, 80 Kann die Objektivität des politischen Historikers auch nich! darin bestehen, daß er bei seiner Arbeit von seiner Bindung an sein Volk absicht; vielmehr sieht und vernimmt er das, was er zu schen und zu vernehmen hat, ausschließlich aus dieser Bindung an sein Volk heraus. Seine wahre Objektivität be- steht in dem Zurückhalten seines eigenen, individuellen Willens in der Hingegebenheit an sein Objekt, an den aus der Ver- gangenheit her sich der Gegenwart offenbarenden Gemein- schaftswillen. Der politische Historiker ist in der Tat der Prophet seines Volkes oder mindestens der Diener seiner Pro- pheten gerade durch die volle Strenge seiner Wissenschaftlich keit.
Geschichte im besonderen Sinne beruht auf dem Gegen- wärtigwerden vergangenen Gemeinschaftswillens; in solchem Gegenwärtigwerden beanspruchenden und bindenden Willens zeugt sich, wie jede dauernde Gemeinschaft, so auch Volk weiter. Volk lebt aus seiner Geschichte. Wo diese Vergegen- wärtigung bindenden Willens aus der Geschichte aufhört, da stirbt ein Volk als Volk, auch wenn der physische Fortpflan- zungsprozesß der Individuen ungestört weitergeht. Denn Volk ist keine Naturgröße, sondern eine Geschichtsgröße; Volk be- steht nur solange, wie es als Willensziel in seinen Individuen lebt. Und als solches lebt es nur so lange, wie diese Individuen die Bindung ihres Willens durch die Geschichte empfinden. Deshalb ist Geschichtsunterricht der Jugend ganz unmittelbar eine volkzeugende Funktion. Und eine Auflösung des Ge- schichtsunterrichts der Schule in bloßen Kulturgeschichtsunter- richt wäre eine unmittelbare Bedrohung des deutschen Volkes).
Gemeinschaftswille der Vergangenheit wird aber da aun stärksten als bindender Wille vernommen, wo er sieghaft sein Ziel verwirklichender oder aber tragisch scheiternder Wille ist. Der gigantische Kampfes- und Gestaltungswille, der im Kaiser- tum der Staufer scheitert, ist bis heute für den Deutschen mehr als ein gewaltiges Schauspiel, er vernimmt aus diesem


