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mit Recht von einem jüdischen Volk sprechen können und müssen. Ob das, was wir heute mit diesem Ausdruck bezeichnen, eine stammesmäßige und rassische Einheit ist und auf Grund dessen eine nationale Einheit sein könnte, ist mindestens ein um- strittenes Problem. Aber daß hier trotz aller Absplitterungen noch eine lebendige Einheit vorhanden ist, die wir nicht anders bezeichnen können denn als Volks einheit, das läbt sich nicht wohl leugnen, und all die Gegensätze, welche sich gegen über dieser Einheit inmitten anderer Volkseinheiten immer wieder heraus- gebildet haben, beweisen am deullichsten das Vorhandensein eben dieser Einheit, das ja durch die Erscheinung des Zionis- mus überdies bestätigt wird. Das Erstaunlichste ist dabei, dab diese Volkseinheit eigentlich doch seit Jahrtausenden, aller- mindestens aber seit über 18 Jahrhunderten keine Stütze mehr an einem ihr zueigenen Staat gefunden hat. Ohne eigene Staat- lichkeit, hineinverflochten in eine lange Reihe fremder, auf- blühender und wieder vergehender Volkskulturen hat sich diese merkwürdige Volkseinheit immer wieder erhalten. Und den Grund für die Erhaltung dieser Volkseinheit durch den Wechsel von Weltreichen, Nationalstaaten und Volkskulturen hindurch können wir in nichts anderem sehen, als darin, dab noch im Augenblick des Zerbrechens der letzten eigenen Staatlichkeit ein paar große Prophetengestalten diesem Volk das Gedächtnis der sein Dasein begründenden Ereignisse als vollendeter Fakta und als vorausweisender Verheißungen unauslöôschlich einzuprägen verstanden. Das Dasein dieser, soweit wir den Gang der Ge schichte überblicken, rätselhaftesten Volkseinheit besagt: Es kann in der Tat kein Einsichtiger bestreiten, daß es auch für die heutigen Völker eine Judenfrage gibt; zugleich aber dies: man kann zu dieser Frage nichts Sachgemäßes sagen, wenn man sich diesen eigentümlichen Tatbestand nicht ganz unvoreinge- nommen klar gemacht hat.

Wir müssen es uns versagen, auf die Zusammenhänge näher einzugehen, welche gerade unser letztes Beispiel aufdeck! zwischen Volkwerden und Ereignissen religiösen Charakters. An einer anderen Frage dagegen können wir nicht vorüber gehen, ohne das bisher Gesagte zu gefährden. Wir sahen; das Entstehen von Volk erweist sich auf alle Fälle als geknüpkt an gemeinsam erfahrenes bedeutungsvolles Geschehen, welches den Einzelnen und engere schon vorhandene Gemeinschaften ein-