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kindet, es klingt ihm nüchtern, abstrakt, ja fast feindlich ins Ohr. Anders steht es z. B. mit dem Wort ‚Reich'. Das be- weist schon seine Erhaltung in den Stürmen von 1919. Das Wort Reich! ist dem Volksbewußtsein näher, nämlich dem Bewußtsein, in welchem das deutsche Volk von sich selbst als Volk weiß. Eine sehr flüchtige geschichtliche Uberlegung zeigt schon, daß Staat nicht schlechthin das Volkbegründende sein kann, sondern nur unter gewissen Umständen. Der Groß- staat, welcher dem Gedanken des Staates sein uns bis heute noch bestimmendes Gepräge gegeben hat, das Imperium Ro- manum, hat längst nicht auf allen Gebieten, welche es umfaßte. Volksbewußtsein und damit das Werden von Volk selbst be- gründet, sondern nur da, wo eben gewisse andere Bedingungen erfüllt waren. Aber welche anderen Bedingungen neben dem Staal können noch mit ins Spiel kommen beim Werden und Bestehen von Volk? Wir sind zunächst gewiß nicht in Ver- legenheit, wenn wir solche nennen sollen. Wir werden viel- leicht zunächst hinweisen auf die Gemeinsamkeit von Boden, Sprache und Kultur als wesentlich volkbildende Elemente. Gewiß wird niemand bestreiten, daß diese Größen auf das Werden und Sein von Volk als Volk vom größten Einfluß sein können. Die Liebe zum Heimatboden, die süße Gewohnheit der Muttersprache, das befriedende Eingebettetsein in vertrautes Lebensgefühl und

Bildungsgut kann das Werden und Sicherhalten von Volks-

bewubztsein und Volkseinheit außerordentlich begünstigen. Und doch gilt es im Blick auf sehr aktuelle politische Fragen der Gegenwart vorsichtig zu sein gegenüber dem Gedanken,

einem Volk sei seine Volkheit dann gesichert, wenn ihm Heimal und überlieferte Kultur garantiert sei.(Südtirol!) Uberlegen wir doch: das stärkste Heimatgefühl, das innigste Verwurzelt- sein mit dem Boden braucht an sich nicht zu Volksbewußtsein zu führen, ja kann ihm geradezu als Hindernis im Wege stehen. Das Heimatgefühl pflegt zunächst sich gerne in den engen Winkel zurückzuziehen: es haftet ursprünglich an Dork, an Tal, an Weg, an See, an der Stadt und kann eben gerade da- durch in Gegensatz zum Gedanken des Volkes geraten. Die Erhaltung der Sprache ist zwar bei einem stammesmäßig ein- heitlichen Volk vielfach die Grundbedingung für Aukrecht⸗ erhaltung des Volksbewußtseins, nicht aber da; wo eine Sprache Weligeltung erreicht hat und sich im Zusammenhang

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