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und zeugenden Kräfte sind, die ein Volk werden lassen und erhalten. Damit aber sind wir vor eine seltsame Frage ge- stellt, deren Seltsamkeit eben darin besteht, daß ein scheinbar Bekanntes, Alltägliches, Altvertrautes plötzlich rätselhaft wird, wenn wir es in seiner Wesenheit erfassen wollen. Was ist all- täglicher als der Gedanke des Volkes? Und doch ist fast jeder, der das Wort gebraucht, in eine gewisse Verlegenheit gesetzt, wenn er sagen soll, was Volk! ist. Zwar das werden wir ja wohl voraussetzen dürfen, daß Volk eine geschichtliche“, keine natürliche“ Größe ist. Das heißt also vor allem: Volk ist 2. B. etwas anderes als Rasse. Rasse ist eine natürliche, physische Größe. Sie besteht so lange, als unter den ihr zugehörigen In- dividuen der Fortpflanzungsprozeß unter denselben physischen Bedingungen gehalten werden kann. Aber eine größere oder geringere Anzahl von Individuen derselben Rasse sind noch nicht ein Volk. Eine Rasse ist als Rasse da, auch wenn keins der ihr zugehörigen Individuen um diese Rasse weiß. Ein Volke ist immer nur in dem Maße da, in welchem das Bewußtsein von ihm in seinen Gliedern lebt. Das heißt eben, es ist eine geschichtliche Größe. Aber wodurch entsteht und besteht dann Volk, wenn es nicht schon einfach aufgrund physischer Tat- sachen da ist?
Da scheint der Gedanke an den 18. Januar eine einleuch- lende Antwort nahe zu legen. Der 18. Januar ist in erster Linie ein staatspolitisches Ereignis. Das legt den Gedanken nahe, dasß die Entstehung von Sta at es ist, was aus nalurgegebenen Elemen- len ein Volk werden läsßt. Und dieser Gedanke ist gewils richtig in dem Sinne nämlich, daß das Werden von Volk immer irgend- wie mit dem Werden von Staat zusammenhängt. Das Werden, nicht das Sein. Denn es gibt Völker, welche als Völker existieren, ohne daß sie einen Staat kännten, der in ihrer Gegenwart etwas mit ihrem Volksein zu tun hätte. Das allein scheint darauf hinzuweisen, daß zwar Staat irgendwie etwas mit der Entstehung von Volk zu tun habe, daß aber aus Staat allein die Größe „Volk nicht verstanden werden könne. Einen Fingerzeig in dieser Richtung kann auch schon das Achten auf den Gefühlston ab- geben, welcher für den— nicht Staatsphilosophie treibenden— Durchschniitsdeutschen das Wort, Staat“ begleitet. Man wird sagen können, daß der Deutsche dies Wort nicht liebt, daß dies Wort nicht so leicht einen Widerhall in seinem Herzen


