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Aus dem Gesagten geht hervor, dab der Arzt mehr als nur einfaches Mitgefühl mit seinen Kranken haben soll, dab er auch Verständnis haben muß für alles das, was die Sonder- stellung des Kranken zu seiner Umgebung bedingt. Gerade die oft eigenartige psychische Einstellung des Kranken zu seiner Umgebung, seinen Angehörigen und zu seiner Krankheit muß er verstehen und möglichst günstig zu beeinflussen suchen. Diese psychische individuelle Behandlung, dieses sich Einfühlen in die Seele des Kranken, wird dem einen Arzt leicht, dem anderen schwer fallen. Eine Begabung dafür muß er mit- bringen; hat er sie nicht, wird er nie ein wahrer Arzt werden, trotz bester medizinischer Ausbildung.
Der Arzt muß also, wenn ich so sagen darf, die Gesetze des Körperlichen und Seelischen studieren und daraus eine Ein- heit bilden, die anders gestaltet ist als die des reinen Natur- Wissenschaftlers, aber auch anders als die des reinen Psycho- logen. Die Erfassung dieser Einheit, dieser beim Kranken ge- störten Einheit körperlicher und seelischer Vorgänge und ihre zweckmäßige Behandlung nennen wir ärztliche Kunst. Der wahre Arzt soll alles Menschliche verstehen, aber auch alles Wissenschaftliche und Technische können, das seiner Zeit ent- spricht.
Meine Damen und Herren!
Unser Jahresfest steht heute unter dem Zeichen eines be— sonderen Ereignisses. Gestern hat der letzte französische Soldat deutschen Boden verlassen. Ein Freudengefühl erfaßt unsere Seele. Wir sind frei von der seit dem Kriege uns drückenden Besatzung. Ein wichtiger Schritt vorwärts ist damit getan auk dem steinigen Wege, den das Schicksal unserem Volk zugedacht hat, auf dem Wege, von dem wir zuversichtlich hoffen, daß er aufwärts führt. Wir haben in Hessen besonders schwer unter der feindlichen Besatzung gelitten. Das ganze Land atmel jelzi auf. Eine Befreiungsfeier, zu der auch der Herr Reichs- präsident kommen wird, soll am Rhein veranstaltet werden, umi unsere Freude zum Ausdruck zu bringen, die uns alle heute bewegt.
Unser Jubel soll uns aber über eine ernste Erkenntnis nicht hinwegtäuschen. Ernst Moritz Arndt hat einst gesagt:„Was nützt es uns, wenn unser Boden ein freies Land geworden ist,


