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heitsssymptome und der Krankheitsbilder. Es kommt dann aber auch noch darauf an, bei jedem Patienten das Wesentliche und nicht das Nebensächliche zu sehen und zu behandeln. Es ist nun eine wohl nicht zufällige Erscheinung, daß gerade der Heil- kundige, der wenig positives Wissen hat, auf seine Intuition den größten Wert legt, denn sie ist ihm oft nur ein willkommenes Mäntelchen seiner Unwissenheit.

Auch heute ist, wie gesagt, die Natur wissenschaft nach wie vor das Fundament, auf dem unsere Heilkunst aufgebaut ist. Wer hier die erforderlichen Kenntnisse nicht hat, bleibt ein Stümper. Aber zur Heilkunst gehört mehr als Naturwissen- schaft, und da kommen wir zu dem Punkt, auf den gerade in jüngster Zeit besonderer Wert gelegt wird. Der Mensch hat eine Seele, deren Verfassung von allergrößter Bedeutung für den Körper ist, sowohl in Bezug auf den Krankheitszustand, als auf die Heilungsvorgänge, die sich in dem Körper abspielen. Es ist kürzlich ein Buch von Alkan erschienen unter dem Titel: Anatomische Organkrankheiten aus seelischer Ursache.(Hippo- kretes Bücher für Arzte. Bd. 4. Hippokrates Verlag, Stutt- gart und Leipzig 1930.) Wenn auch der Verfasser rein psycho- gene Faktoren wohl zu hoch einschätzt, so enthält das Buch doch manches Beachtenswerte; vor 20 Jahren noch wäre es undenkbar gewesen. Als Bergmann, der jetzige innere Kliniker in Berlin, vor etwa 17 Jahren seine Hypothese vom spasmogenen Magengeschwür herausbrachte, die besagt, daß funktionelle, ja psychogene Störungen ein Magengeschwür, also eine organisch- anetomisch faßbare Erkrankung bedingen können, da wirkte diese Idee noch revolutionär. Heute sind uns solche Gedanken- gönge nicht mehr fremd.

Beim kranken Menschen ist die Seele anders als beim ge sunden; sie ist anders eingestellt und reagiert anders als in gesunden Tagen. Der Arzt sieht die Krankheit von außen, der Kranke erlebt sie gewissermaßen von innen, er erleidel sie. Nur wenn der Arzt dieses Erleiden versteht, kann er den Kranken in seiner Lage richtig beurteilen und behandeln. Wie die Krankheitsstörungen vom Patienten empfunden werden, wie er sie verarbeitet, welche Bedeutung sie gewinnen, was daraus wird und gemacht wird, das hängt nicht nur von dem Körper- lichen Zustand des Kranken ab, sondern auch ganz wesentlich von seiner seelischen Verfassung, von seiner Stimmung und