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denken, das erkennt die Gottheit in einem einzigen Augenblick, hat Galilei gemeint. Vielleicht ist auch das noch nicht ganz gut formuliert, aber es kommt doch der Wahrheit sehr nahe. Intuition ist eine sehr große Konzentration, ist der Blick für das Wesentliche, der nicht bloß sehr viele Einzelbeobachtungen und zahlreiche Erinnerungen in ein Bild, sondern zugleich sehr große Zusammenhänge in einen Gedanken zu fassen ver- mag. Es ist klar, daß diese Art zu sehen, und daß ein solches Denken letzte, wenn Sie also wollen, mystische Tatsachen sind, die wir nicht erklären, sondern einfach hinnehmen müssen. Aber erklären lassen sich auch die einfachste Wahrnehmung und die leichteste Schlußfolgerung nicht, und was sie von der Intuition unterscheidet, das ist ein Unterschied des Grades und durchaus kein Unterschied in der Art.

Wenn man sich viel mit der Intuition beschäftigt, wird es einem ganz merkwürdig zumute. Das Mysteriöse, diese über- natürliche Gabe einzelner Menschen, die in vielen Schriften über Intuition immer wieder zum Ausdruck kommt, ist nach meiner Uberzeugung jedem ärztlichen Denken, in dem wir bis- her aufgewachsen sind, so widersprechend, daß ich und, wie ich glaube, die meisten Arzte, die Erklärung als verbesser le Form des Instinktes ablehnen. Das soll, wie gesagt, nicht heißen, daß wir eine Intuition nicht anerkennen, im Gegenteil, ohne Intuition stände es schlecht um uns, sowohl in der ärzt- lichen Tätigkeit, wie in der medizinischen Forschung. Jede schöpferische Leistung setzt Intuition voraus; aber diese In- tuition beruht letzten Endes immer auf Wissen, Erfahrung und Können. Ob uns im Einzelfalle immer alle Voraussetzungen unserer Entscheidungen bewußt sind, ist dabei gleichgültig. Von tausend Erinnerungsbildern erinnert sich der Geniale ge- rade an die, die ihm im Augenblick nützlich sind; und von den unendlich vielen Möglichkeiten der Uberlegungen, die er durchdenken müßte, kommen dem Gottbegnadeten nur die vor sein geistiges Auge, die er braucht. Aber immer schöpft er aus dem vollen Brunnen seines Wissens und seiner Er- fahrung.

Anlage und Begabung spielen dabei eine große Rolle. Um aber als Arzt von einer guten Intuition überhaupt beseelt werden n können, ist zunächst Vorbedingung eine gute wissenschaft- liche Ausbildung, eine genaue Kenntnis der einzelnen Krank-