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in den von innen her unzerbrechlichen Ring des Verhängnisses von Schuld und Sünde. Von beiden redet die Augustana mit genau umgekehrten Vorzeichen wie die scholastische Theologie des Mittelalters. Der gefesselte Mensch, den sie zeichnen muß, ist ihr dabei nicht in erster Linie ein Gefangener seiner Leiden- schaften, sondern viel tiefer: Uber seinem ganzen Sein und Handeln liegt der erkältende Hauch der Gottesferne. Wenn die Augustana von Sünde, ja von Erbsünde redet, die in der Tra dition unter starker Vorherrschaft des Sinnlichen geschildert worden war, so läßt sie alle diese Töne ganz beiseite. Am lief- sten kormuliert es Melanchthons Apologie, die Verteidigungs- schrift der Protestanten gegen die katholische Widerlegung, wenn sie Erbsünde nennt:Daß wir Gott oder Gottes Werl nicht kennen, nicht sehen noch merken, Gott verachten, Got nicht ernstlich fürchten noch vertrauen, seinem Geist oder Urteil feind sein. Item daß wir alle vor Gott als einem Tyrannen fliehen, wider seinen Willen zürnen und murren. Item uns auf Gottes Güte gar nicht lassen und wagen, sondern allzeit mehr auf Geld, Gut, Freunde verlassen 1). Diese Be- slimmung ohne Schwüle und Sentimentalität, ohne Sünden schnüffelei und moralistische Angstlichkeit ist die wahre Be stimmung des Gefängnisses, in das der natürliche Mensch nach protestantischer Anschauung gebannt ist.

Erlösung daraus heißt wiederum, daß er in einen neuen Zusammenhang übergeführt wird. Freilich kann der eiserne Ring, der ihn umschließt, nicht von innen zerbrochen, sondern muß von außen durch Gottes Hammer aufgeschlagen werden. Mit der gleichen Strenge wie von der scholastischen Sünden lehre scheidet sich das Augsburgische Bekenntnis darum vou der katholischen Rechtfertigungslehre. Nicht mehr um der Protestanten selbst willen, die es längst begriffen hatten, son- dern um der Auseinandersetzung willen betont sie an allen Eeken und Enden die Ausschließlichkeit des sola fide, allein aus dem Glauben. Wo sie in Zölibat, Mönchsgelübden, Fasten geboten, Kirchenbräuchen etwas von einem menschlichen Gel- lungswillen vor Gott, von Verdienst-Anspruch oder Hoffnung. von einem Sichbehaupten und dem Handeln Gottes nicht preis- geben wollen spürt, dringt sie in diese letzten Winkel der Frömmigkeit ein. Noch viel umfassender, mit großer Gelehr