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logie des Thomas von Aquino— zwei Stellungen kann der natür- liche Mensch auf dem sonst verlorenen Schlachtfelde gegen die Sünde halten: ein Stück kaum verdorbener Natur und ein Stück freien Willens. Beide Stellungen greift die reformatorische Theo- logie und mit ihr das Augsburgische Bekenntnis an. Es ist nicht So, wie das scholastische Bild es zeichnet i), daß im Menschen nur ein Stück Zunder verborgen läge, das ungefährlich wäre, bis von außen der Funke der Leidenschaft hineinfliegt. Nein, was die Scholastik als eine harmlose Schwäche der Natur ansah, ist schon Sünde. Das ist eine der frühesten Entdeckungen Luthers gewesen 2). In seiner 2. These für die Leipziger Dis- putation hat er dann mit Schärfe erklärt:„Zu leugnen, dab im Kinde nach der Taufe Sünde zurückbleibe, heißt Paulus und Christus auf einmal mit Füßen treten“ s); ein Salz, der in der Bannbulle verurteilt wurde). Man wird diese dem modernen Menschen schwer verständliche Leidenschaftlichkeit nur begreifen, wenn man sieht, dab damit eine ganz neue Psychologie, besser ein neues Menschenbild heraufgezogen ist. An Stelle des durch Unterscheidungen zerspaltenen, in zahllose einzelne Willensakte aufgelösten Menschen der Scholastik, das Bild des Menschen als einer ganzen, unteilbaren Persons). Der Mensch kann nicht zerlegt werden in Fleisch und Geist, in ein reines und ein unreines Stück. Er kann sich nicht in ein- zelnen reinen Aufwallungen zu Gott erheben, wie es die Schola- stik lehrte e); von der spätmittelalterlichen Lehre, dab der Mensch schon von Natur wegen Gott über alles zu lieben ver— möge, wiederum ganz zu schweigen). Nein, als ganze Person
1) Loofs, Dogmengeschichte 1906 4, S. 577.
2) Römerbriefvorlesung, hrsg. von Joh. Ficker, e
3) Weimarer Ausg. II 160, 34.
4) Bannankündigungsbulle Exsurge domine bei Mirbt, Quellen zur Geschichte des Papsttums, 19244, S. 257, 17.
5) Vgl. dazu Kar! Holl, Gesammelte Aufsätze, Bd. I: Luther, S. 60 ff.
6) In den sogenannten„erweckten Akten der Gottesliebe“. VgI. etwa die bezeichnende Kapitelüberschrift bei dem zeitgenössischen Fran- ziskaner Herborn: Operibus ex caritate elicitis ex divino decreto meremur, quibus et merces vitae aeternae debetur. Locorum communium enchiri- dion 1529.(Corpus Catholicorum, Bd. 12, 1927) S. 31.
1) Duns Scotus, In sententias lib. III dist. 27. Gabriel Biel, In sent. lib. II dist. 28 B. Dagegen wandte sich Melanchthon in den Loci communes 1521(hrsg. v. Kolde 1925% S. 97 k. und der Erstausgabe der Augustana


