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Liebe Kommilitonen!
Die Arbeit, die an der Universität von Euch und an Euch geleistet werden soll, ist eine doppelte Erziehung: Zum guten Deutschen und Staatsbürger, tüchtigen 3 oder 5 8 des Volks in freiem Beruf, und zum wissenschaftlichen For- scher. Zum ersten Stück ist Euch die Selbstverwaltung gegeben, damit Ihr durch sie Gemeinsinn und Verantwortungsgefühl entwickelt. Ich freue mich, Euch das Zeugnis ausstellen zu können, daß Ihr dem Vertrauen, das in Euch gesetzt ist, in vollem Maße gerecht geworden seid. Die Arbeit 85 Allgemeinen 0 e dient dem allgemeinen Besten der Stu- dentenschaft und dem Ansehen der Universität. Die Zusammen- arbeit mit den Universitätsbehörden vollzieht sich reibungslos. Auch die Regierung schenkt mit Recht der Studentenschaft ihr. Vertrauen auf maßvolle Vertretung der studentischen Interessen.
Auch den Fleiß unserer Studenten können wir rühmen. Gießen verdient wirklich den Ruf einer Arbeitsuniversität. Auch das Streben nach körperlicher Ertüchtigung macht immer weitere Fortschritte. Ein edler Wettstreit greift um sich, nicht nach Rekordleistungen auf einzelnen Gebieten, sondern nach dem Erwerb des Sportabzeichens. Ihn wollen wir auf jede Weise fördern; aber freilich, es fehlt an einer Turnhalle, an der Einrichtung des Sporthauses, an Lehrkräften. Hier darf ich mich, auch im eigensten Interesse der Universität und der Turnlehrerausbildung für den Staat, zum Sprecher der Stu- dentenschaft machen, wenn ich um Erfüllung der dringenden Wänsche für die Entwicklung der Leibesübungen bitte.
Aber die Universität braucht auch wissenschaftlichen Nach- wuchs, und dieser soll sich nicht auf die Dozentenlaufbahn beschränken, sondern auch in den andern Berufen soll die selbsttätige Verbindung mit der Forschung erhalten bleiben, zur Förderung der Wissenschaft und zur Vertiefung des Be— rufs. Deshalb soll der Student, der Forschersinn und Forscher- neigung in sich fühlt, sich auch neben der Examensarbeit an produktive Forschungsarbeit machen, die allein den wissen- schaftlichen Geist stärkt.
Wenn wir die Ergebnisse der diesjährigen Preisaufgaben betrachten, so möchte es scheinen, als ob dieser Sinn über dem Brotstudium verkümmert werde. Aber es ist wohl eher eine


