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schaft ist das gefährlicher als z. B. in den Natur wissenschaften, weil sie mit Trümmern der Uberlieferung arbeiten muß, die nur durcli Zu- kallsfunde erweitert werden. So erstehen dann kühne Gebäude, die plötz- lich ein neuer Fund umzustoßen droht. Nun kann man beobachten, daß das neue Zeugnis zunächst verdächtigt wird, bis ein Mutiger seine Wahr- heit durch Nachprüfung der Fundamente des Hypothesenbaus nach- weist. Daraus ergibt sich die oft vergessene Mahnung, bei jeder neuen Stellungnahme zu einem Problem die alten Zeugen von neuem selbst. zu verhören. Die Methoden der großen Meister der Philologie sollen als Vorbilder im Großen wirken, aber nicht ihre Einzelergebnisse als Dogmen kanonisiert werden. Der akademische Lehrer soll umso- mehr die Mahnung Wolfs beherzigen, weil er seinem Schüler zunächst. die Autorität des Schulwissens austreiben muß. Zu den Anfangsgründen des akademischen Unterrichts rechne ich es, dem vom Gymnasium kommenden Fuxen den Kinderglauben an die Autorität des gedruckten, Schriktstellertextes zu zerstören und ihm das Abe der antiken Schrift- und Texigeschichte vertraut zu machen, damit er den Text aus eigenem Denken aufzubauen lerne. Ebenso muß er zur Selbständigkeit gegen. Kommentare und überhaupt gegen die wissenschaftliche Literatur er- zogen werden, und dabei darf der Lehrer nicht vor der eigenen Person Halt machen.

12) Besonders gefährlich war die unendlich ausgedehnte Quellen- korschung auf dem Gebiet der alten Geschichte, über der die histo- rischen Nachrichten ungenügend verarbeitet und durch oft übertrieben gesuchte Tendenz der Quelle oder ihres Benützers in Zweifel gezogen wurden. Auch hier ergibt der Zuwachs an authentischen Zeugnissen namentlich aus den Inschriften vielseitige Bestätigung angezweifelter Nachrichten.

13) Als Meisterstück einer kongenialen Einfühlung nenne ich hier die Wiederherstellung eines stark verstümmelten politischen Liedes des Alkaios. Hermann Diels hat sie aus ähnlicher vaterländischer Not heraus seinem Freund Ulrich von Wilamowitz zum goldenen Doktorjubiläum gewidmet und eine ebenso formvollendete Ubertragung in die Sprache des Alkaiosnachdichters Horaz beigefügt, De Alcaei voto, Berlin 1920 (jetzt auch bei Diehl, Anthol. Lyr. Alc. Fr. 35). In bescheidenen Worten zeigt Diels, wie solche Versuche gewertet sein wollen:Ac verba quidem plefraq ue etempli causa posild esse scito. Satis mihi laudis tulisse videbo, si aygumentum ipsum summatim d viris doctis H e polissimuns, amice doctissime, qui in hoc litterarum genere habitas, dibinatum esse, concessum erit.'

Diels hat hier die Geisteskunktion bei den Ergänzungen mit deim selben Recht wie beim Konjekturenmachen als Divi nation bezeichnet. Eine Methodik für die Kusbildung dieser neuen Divinationsgabe auf- zustellen möchte ich noch nicht raten, obwohl etwas ähnliches in der modernen experimentellen Pädagogik schon eine Rolle spielt. Ebbing- haus hat in der Zeitschr. f. Psychol. XIII 1897, A0 ff. eine Methode derKombinationsprüfung ausgearbeitet, die darin besteht, daßb zur