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Schröder, Neue Jahrb. f. d. kl. Alt. u. k. Päd. 32, 1913, 168 ff. Der

Prorektor, der Mediziner Baldinger, war selbst ein abtrünniger Theo- loge und ein guter Lateiner(vgl. W. Süß a. a. O. S. 91 f.). Sein Aus- ruf:Habe er nun die Absicht, was Gott abwenden wolle, ein Schul- meister zu werden, so müsse er ihn doch als Theologen einschreiben, ist also melir spöttisch aufzufassen. Die Ironie des Schicksals wollte es, daß Wolf 1779 die Kollaboratur in Ilfeld unter der Flagge des cand. theol. bekam und 1781, als er zum Rektor in Osterode gewählt wurde, noch pro forma ein theologisches Examen zwischen Weingläsern über sich ergehen lassen mußte(W. Körte I 70. 88).

9) Das Berufungsschreiben(bei Körte J r1oo) nennt die Professur Philologiae et Paedagogices, die Bestallungsurkunde(Körte II 210) ernennt ihnzum Professore Philosophiae ordinaris und in specie der Pacdagogic. 1784 erhielt er die Professur Eloquentiae und Poëseos, 1787 löste er durch die Errichtung des Philolo gischen Semi- nars die Philologie von der Theologie und der philanthropinischen Pädagogik und machte sie auch im akademischen Unterricht zur kreien Wissenschaft. Der Bericht Wolfs über dieIdee eines Seminarii Philo- logici wird zum ersten Mal in authentischer Form aus den Rektorats- akten veröffentlicht von O. Kern, Fr. A. Wolf, Hallische Universitäts- reden 25, Halle 1924, S. 33 ff. Man ersieht daraus, daß der Betrieb ein großer Fortschritt gegen das Philologische Seminar von Gesner und Heyne in Göttingen war. Kern wird der kraftvollen, aber nicht ein- fachen Persönlichkeit Wolfs in schönem Verständnis gerecht. Manches Neue zur Charakteristik der heroischen Zeit der Philologie in Halle bringt Süß a. a. O. S. 21 ff.

10) Adolf Philippi, Einige Bemerkungen über den philologischen Unberricht, Rektoratsrede Gießen 1890.

11) Süß a. a. O. macht zwei sehr vernünftige Außerungen über die Konjekturalkritik aus der Heroenzeit der Philologie bekannt, 8 83 aus einem Brief von Heyne an Morgenstern 1794:

Der Himmel hat Sie, teuerster Herr Doktor, für die Zeiten auk- behalten, da man die Klassiker nicht mehr der bloßen Krittelei wegen liest, bearbeitet und ediert, wie noch in meiner Jugend geschah; daher bearbeiteten die holländischen Gelehrten insonderheit nur eine Menge kleiner unbedeutender griechischer Schriften, oder es kamen einzelne Schriften Xenophons, Plutarchs u. a. bloß kritisch ausgerüstet zum Vor- schein; man dachte nicht daran, dass Wortkritik, Konjekturen- und Emendationenmachen nur Vorbereitung zu wissenschaftlichem Studium der Alten ist, für sich selbst aber einen sehr eingeschränkten Wert hal und daß ein Kritiker bei allem Scharfsinn immer nur auf der unter- sten Stufe stehel gegen den, der in den Geist des Schriftstellers ein- dringt und einen Plato als Schöpfer schöner Kunstwerke zu studieren versteht. Das könnte auch 100 Jahre später geschrieben sein.

Aus einem Gespräch Wolfs mit Morgenstern 1793 zeichnet dieser bei Süß S. 59 kolgendes auf:

Für Wolf gibt es kein besonderes Genie des Kritikers, der nur