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Welcker legte die ganze Liebe zur griechischen Literatur und Kunst, die sein Gemüt erfüllte, in seine darüber handeln- den Vorlesungen und teilte zahlreichen empfänglichen Jüng- lingen einen Hauch davon mit. Gottfried Hermann ließ wohl niemals ein Wort der Bewunderung für die Schriftsteller ein- kließen, die er in gewandter lateinischer Diktion erklärte, aber wenn er mit seiner klangvollen Stimme die mächtigen Verse einer pindarischen Ode oder eines aeschyleischen Chorgesanges vorlas, so kühlte jeder, dab sie von echten Dichtern herrühren und dab in der Brust dessen, der sie wiedergab, ein Herz für ihre Schönheit schlug 82).

Ich glaube, es gibt noch einen dritten Weg zum Herzen der Jugend: wenn der akademische Lehrer der Altertums- wissenschaft ihr diese vergangenen Zeiten, auf denen die moderne Kultur immer noch beruht, in vollen Bildern wieder lebendig macht, ihnen den antiken Menschen zeigt, wo und wie er gelebt, gewirkt und gefühlt hats). Der Jünger der Wissen- schaft wird dann erkennen, daß das Menschen von unserem Fleisch und Blut waren, interessant und liebenswert in ihrer Schönheit und Größe und in ihren Schwächen, und daß sie dieses Leben uns zur Lehre vorgelebt haben. Und diese Lebens- bilder kann er, wie er sie im Studium nacherlebt hat, im Lehr- beruf mit Wärme und Liebe an seine Schüler weitergeben, deren Herzen noch allem Schönen und Groben offen sind. Er wird sie damit nicht zu Griechen und Römern, sondern zu guten Deutschen erziehen, die in den Ernst des Lebens einen gesunden Idealismus und klaren geschichtlichen Sinn mitbringen.