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Literatur ans Licht brachten, 1896 Bakchylides, der schwächere, aber liebenswürdige Rivale des Pindar, 1903 die Perser des Timotheos, ein Virtuosenstück der entarteten Lyrik, dann die großen Menander funde, die uns diesen Fürsten der neuen griechischen Komödie endlich im Original kennen lehrten, und schließlich der poëla laureatus des alexan- drinischen Hofes, Kallimachos, in immer neuen Teilen seiner Werke, die auf die römische Dichtung so starken Ein- kluß ausgeübt haben. Das ist nur ein Ausschnitt aus den literarischen Papyrusfunden, die uns verlorene Werke wieder schenken. Dazu kommt die ungeheure Masse von Papyrus— resten bekannter Werke, allein an die 300 Homertexte, zum Teil großen Umfangs. Dadurch ist die Textgeschichte der griechischen Literatur um 1—2 Jahrtausende nach rückwärts verlängert und wir wissen jetzt, wie antike Bücher seit dem IV. Jahrhundert v. Chr. ausgesehen haben. Für die Text- kritik hat der Zuwachs ergeben, daß die Uberlieferung der antiken Literatur sich vom Altertum zum Mittelalter nur wenig verschlechtert hat, und daß von den unzähligen Konjekturen nur wenige Prozent bestätigt worden sind. Die Papyri und Inschriften zeigen uns auch die antike Schreibweise ohne Wort- trennung und ohne Lesezeichen, die Schwankungen der Ortho- graphie und Aussprache, aus denen die häufigsten Fehler ent- standen sind. Nun werden viele Anstände nicht mehr durch freie Konjektur, sondern durch Deutung der Uberlieferung geheilt. Die Entwicklung der Sprache, wie wir sie aus den Papyri und Inschriften in viel reicherem Maße als bisher kennen lernen, zeigt uns, daß wir den Schriftsteller nicht nach den Regeln der Schulgrammatik durchkorrigieren dürfen, sondern daß die Uberlieferung uns in vielen Fällen die echte Sprache seiner Zeit erhalten hat. So ist die Textkritik un- endlich viel konservativer und objektiver geworden als vor 40 Jahren. Anstelle des Phantasiespiels der Konjekturen ist durch die neuen Funde ein anderes getreten, das nützlicher und reizvoller ist und zu immer feinerer Methode ausgebildet wird, die Ergänzungen der verstümmelten Texte, die uns in abgebrochenen Inschriften und zerfetzten Papyri vorliegen. Die Ergänzung der Urkunden auf Stein und Papyrus ver- langt eine genaue Kenntnis der Formeln, die nur durch ein- gehendes Urkundenstudium erworben werden kann, die der


