litt. oder stud. art. lib. In dem programmatischen Sinn einer eigenen Wissenschaft setzte das in Göttingen 1777 der 16 jährige Friedrich August Wolf durch gegen die Vorstellungen seines Lehrers Heyne und des Prorektors, der ihm erklärte. wenn er Schulmeister werden wolle, solle er sich als stud. theol. einschreiben s). Er wurde auch 1783 als der erste Pro- fessor der Philologie nach Halle berufen und gilt mit Recht als Begründer der Philologie als moderner Wissenschaft nach Gesner und Heyne als Vorläufern). Er hat ihre Grenzen ab- gesteckt gegen die anderen Wissenschaften, denen sie bisher dienen mußte, aber ihr zugleich den für ihre eigene Ent- wicklung nötigen Umfang und Inhalt gegeben als Alter- tums wissenschaft, die das ganze antike Leben erfassen sollte. Durch diesen frischen Zug des von Winckelmann ge- schaffenen, von Herder, Goethe und Schiller geadelten, von Wilhelm von Humboldt zur Grundlage der Bildung gemachten Neuhumanismus wurde die nun praktisch auf die Aus- bildung der Lehrer der humanistischen Bildung eingestellte Philologie davor bewahrt, die geistlos gewordene Nachahmung der klassischen Muster fortzuführen. Zugleich trat die in den letzten Jahrhunderten zurückgetretene griechische Kultur als das form- und geistgebende Element der antiken Bildung in den Vordergrund.
Durch den heroischen Schwung des Neuhumanismus ist die so verjüngte und neugeborene Philologie am Anfang des XIX. Jahrhunderts wieder zu einer die Geistes wissenschaften beherrschenden Stellung an den deutschen Universitäten ge- kommen. Durch ihre kritische Methode stellte sie die Geistes- Forschung auf eine feste Basis und gab den jungen Philologien der modernen Sprachen nach der Begeisterung der Romantik die strenge Zucht der historischen Entwicklung. Am klarsten tritt dieses Verhältnis zutage in der Verbindung von alter und deutscher Philologie bei Lachmann und Haupt. Aber schon die zweite Generation ließ die von Wolf geschaffene Alter- tums wissenschaft durch den Streit zwischen August Boeckh und Gottfried Hermann und ihren Schulen wieder zerfallen in Sachphilologie und Sprachphilologie, die sich erst allmählich wieder annäherten. Die Hermannsche Schule, die in der haarscharf ausgebildeten Methode der Textkritik ihr Ideal sah, und darüber die sachliche Erklärung der Schrift-


