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Justinianus honores. Die Aufgabe der Universitäten war ja nichl freie Forschung, sondern gebundene Uberlieferung des vom Altertum überkommenen Wissens. Und so war der ganze Universitätsunterricht in allen Fakultäten dem Inhalt nacli eigentlich Philologie in modernem Sinn als Erklärung antiker Schriftsteller. Daher stiegen nicht nur die Studen- ten durch die Artistenfakultät zu den anderen auk, sondern auch in der Besetzung der Lehrstühle galt die größte Frei- zügigkeit. In den Geschichten der Universitäten Wien und Täbingen z. B. finden wir seit dem XV. Jahrhundert sehr häufig die Vereinigung oder den Ubergang von der Philologie zur Theologie, Jurisprudenz, Mathematik, den Naturwissen- schaften und namentlich der Medizin, und ebenso war es an allen anderen Universitäten s). In Base! wurde nach einem Gesetz von 1718 um die erledigten Professuren nach einem Dreiervorschlag gelost, und so grotesk die Folgen uns er- scheinen, so war in Wirklichkeit der Mißstand gar nicht so groß. Der Mathematiker Johann Bernoulli II. aus der welt- berühmten Mathematikerfamilie bewarb sich 1737 vergeblich um die juristische Professur des Codex, 1734 um die der Ethik; er bekam 1743 auf seine Bewerbung durchs Los die philologische der Rhetorik; als 1748 sein Vater Johann Bernoulli I. starb, wurde in der Stille ein Tausch vereinbart: der Mediziner Ramspeck bewarb sich um die erledigte mathematische Professur, überließ sie Bernoulli II. und übernahm dessen philologische. Aber Bernoulli hatte schon als Professor der Rhetorik mathematische Pri- vatissima gehalten. Der Historiker und Germanist Spreng bewarb sich 1745 um die Professur des Grie chi- schen und fiel im Los durch, erst 1762 erhielt er sie und erörterte in seiner Antrittsrede, ob man nicht das Griechische abschaffen solle). In Gießen wurde z. B. Professor Steuber, ein Ahne von Goethe, 1614 Oord. Professor des Griechischen und der Physik, 1620 der Theologie und des Hebräischen. Auch der Unterricht in der Artistenfakultät nahm be- ständig auf die anderen Fakultäten Rücksicht. Der Tübinger Professor Jakob Schegk, der 1561 zu seiner medizinischen Professur noch die der Logik bekam, hielt 156567 ein Kolleg über Aristoteles Analytika, das wir noch in der Nach- schrift seines Kollegen, des Gräcisten Martin Crusius besitzen.