—
N
Deutschlands Strom, nicht Deutschlands Grenze war, für den auch heute wir von neuem kämpfen—, waffenlos, doch mit heißem Herzen, bis einst freie deutsche Männer wieder wohnen au einem freien deutschen Rhein!
In Germaniens Wäldern gingen einst freie Deutsche ihrem „Waldwerk“ nach, nicht einem Waldwerk wie in unseren Ta— gen, ihr Waldwerk war, wie ein altes Wort es uns kündet, ein
„guet deutsch Waidewerk alle wege“. Am Anfang war das Waid werk. Noch bei den Schriftstel- lern des 18. Jahrhunderts steht es im Vordergrund. So findet sich z. B. in Döbels:) Jägerpraktika nur ein kleiner An- hang auch vom Forstwesen.
Von Deutschlands wehrhaftem Wild am Rhein, das heute längst ausgestorben ist, lesen wir in Cäsars Schriften, vom Riesenhirsch, bos cervi figura, dem„Schelch“ des Nibelungen- lieds; von Auer und Wisent, den uri et bisontes, berichten Ur- kunden aus alter Zeit; den Elch besingt das Nibelungenlied, von ihm künden kaiserliche Erlasse aus dem 10. und 11. Jahr- hundert, heute steht nur noch ein kleiner Rest dieses stolzen Wildes in Deutschlands östlicher Grenzmark, wo unser Hin- denburg die Russen schlug.
Wie Deutschlands Wild, so ist auch Deutschlands Wald dahingeschmolzen, sie wichen beide einer neuen Zeit, in der das einst so weite Land nicht mehr genügen will, sein Volk zu nähren.
Solange Wald im Uberfluß vorhanden war, der Holzbedarf gering, geschah noch wenig für den Schutz, fast nichts kür die Verjüngung des Waldes.
Nur langsam brach sich die Erkenntnis vom Wert des Waldes Bahn, den ganz zu würdigen erst unseren Tagen vor- behalten blieb.
Den ersten Anstoß, für den Wald zu sorgen, gab die Furcht, und zwar die Furcht vor Holznot, die man kom- men sah, wenn weiter regellos das Holz je nach Bedarf ge- nutzt und nichts für seine Nachzucht aufgewendet würde. Ihren Niederschlag fand diese Furcht vor Holznot in fast allen, besonders in den älteren Forstordnungen des 16. Jahrhunderts, durch die die Nutzungen im Wald geregelt wer- den sollten.
) Döbel, Jägerpraktika. Leipzig, 1746.


