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Noch halten feindliche Truppen den Rhein besetzt, eben schliest sich die Front von Versailles wieder fest zusammen, um uns bis aufs Blut auszusaugen und auf ewig zu versklaven. Wir aber bringen keine Regierung auf, die diesem Unter- drückungsgeist den festen Willen eines einigen Volkes gegen- überstellen könnte. Das Volk zerfleischt sich in sozialem, wirt- schaftlichem und weltanschaulichem Hader, der nur durch die Karnevalsstimmung unterbrochen wird, mit der es seine Sor- gen betäubt.

Wenn wir in dieser trüben Gegenwart das Erinnerungs- fest des Reiches begehen, das uns doch geblieben ist, und uns fragen, wie wir es neu aufbauen können, so führt uns das geschichtliche Denken von selbst über den Krieg von 1870 zurück auf die Zeiten der Befreiungskriege und wir schauen wie in einem Spiegel unser heutiges Ringen um die Einheit in der Seele des deutschen Volkes.

Damals haben die deutschen Studenten, die aus dem Krieg zurückkamen, mit ihren Lehrern, die den Befreiungsgeist vor- bereitet und mitgekämpft hatten, das heilige Feuer an den Universitäten entzündet. Sie wollten die Studentenschaft einigen und reinigen vom rohen Pennalismus und Renommismus, durch das Turnen für den Dienst am Vaterland ertüchtigen und durch Selbstverwaltung zu einem der Verantwortung bewußten Teil der Universitas machen. Diesem frischen Geiste standen auch manche der kleineren Hochschulregierungen wohlwollend ge- genüber. Diese Bestrebungen an den einzelnen Universitäten waren zugleich vom Gedanken an die Einigung und Selbst- bestimmung des deutschen Volkes getragen, für die sie ja ge- stritten und geblutet hatten.

Und dieser Traum, den sie auf der Wartburg zum Le- ben erweckten, schien erfüllt in dem stattlichen Haus der All- gemeinen Deutschen Burschenschaft. Da fiel ein Reif in der Frühlingsnacht und zerstörte alle die jungen Triebe. Die Ideale der neuen Studentenschaft wurden von den Regierungen als staatsfeindlich verfolgt, die Einheit zerstört, die Professoren ebenso überwacht wie die Studenten. Je stärker der Druck wurde, desto unheilvoller wirkte er auf die Universitäten und auf das Volk. Ein Teil der Studenten wurde radikalisiert und bildete einen revolutionären Sauerteig im Volk, die Masse der Studentenschaft fiel auseinander und das geistlose renommi-