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gebildet oder doch in spezifisch gesteigertem Maße im Blut- serum angehäuft wird, während die zweite in Betracht kommende Substanz ein normaler Bestandteil des Blutes ist.

Paul Ehrlich hervorragendes Verdienst ist es, den Mechanismus der Immunität, und zwar sowohl der antitoxischen wie der antiinfektiösen auf eine bestimmte, scharf umschriebene Formel gebracht zu haben. Die zahlreichen zerstreuten Einzel- korschungsergebnisse auf immunbiologischem Gebiete vereinigte er zu einem festen Gefüge, zu einem einheitlichen, sinnreichen Bau. Physiologische Vorgänge, wie sie nach Weigert bei der Ernährung der Zelle in der Assimilation und Regeneration ihren Ausdruck finden, legte er seinen erkenntnistheoretischen Vor- stellungen über das Zustandekommen der Immunität zugrunde. Mit diesen Gedankengängen verband er solche chemischer Art in Analogie mit dem Strukturbild des Kohlenstoffrings und baute 50 seine sogenannte Seitenkettentheorie auf. Obwohl diese geistvolle und berühmte Theorie Anfechtungen ausgesetzt wär und obwohl sie die immunbiologischen Probleme nicht rest- los zu erklären vermag, so hat sie doch als heuristisches Werk- zeug und als Wegweiser zu neuen wissenschaftlich und prak- tisch wichtigen Forschungsergebnissen wertvolle Dienste geleistet.

Neben jenen Substanzen, die die Immunität bedingen, und ihr in Gestalt der Antitoxine oder der Bakteriolysine dienen, treten aber im immunen Körper, speziell in seinem Blutserum, als Reaktionsprodukte noch andere auf, die je nach ihrer Wir- kung als Agglutinine, Opsonine, Bakteriotropine und Präzipi- tine bekannt sind. Alle diese Antikörper sind streng spezifisch, sie sind in ihrer Wirkung genau eingestellt auf diejenige bio- logisch aktive Substanz, auf das Antigen, das ihre Bildung aus- gelöst hat. Um dies in einem Beispiel kurz auszudrücken: Ein Schutzserum, das gegen Milzbrand gewonnen wird, ist nur gegen den Erreger des Milzbrandes und nur gegen diese Krankheit wirksam, nicht auch gegen andere.

Was die Natur jener spezifischen, im Blutserum enthalte- nen Antikörper anbetrifft, so herrscht die Ansicht vor, es handle sich um Eiweifkörper. Ihre Bildungsstätte sind hauptsächlich die blutbereitenden Organe: Milz, Knochenmark, Lymphknoten. Auch andere Organe und Zellen besonderer Art kommen in Be- tracht. Die Frage über die Natur und Herkunft dieser Reak- tionskörper ist übrigens noch nicht in allen Teilen geklärt.