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mäßig kurzer Zeit die Wissenschaft der Immunbiologie erstehen lassen.

Die Forschungen über die erworbene Immunität ließen nun bald erkennen, daß ihr höchst komplizierte biolo- gische Vorgänge zugrunde liegen und daß sie sich ihrem Wesen nach keineswegs in eine einheitliche, für alle Infektionskrank- heiten gültige Erklärungsformel einzwängen läßt. Lassen Sie mich darauf noch mit einigen Worten eingehen.

Infektion und Immunität stehen das dürfte aus den bis- herigen Ausführungen zur Genüge hervorgehen in engster Be- lichung zu einander: die Infektion löst die Immunität aus. Bei der einen Infektionskrankheit sind es indessen die lebenden In- kektionserreger selbst, die der immun werdende Organismus ab- lölete, bei einer anderen seine Gifte, die sogenannten Toxine, deren Wirkung durch den immunen Organismus paralysiert wer- den. Daraus folgt, daß im ersten Falle die Immunität unmittelbar gegen die Erreger selbst gerichtet ist, im zweiten gegen die Toxine: und so ist denn dort die Immunität eine antiinfektiöse, hier eine antitoxische. Der Mechanismus der antitoxischen Immunität ist einfach, jener der antiinfektiösen kompliziert.

Von Behring, ein Schüler Robert Kochs, hat zu- erst erkannt, daß die antitoxische Immunität humoraler Natur ist, daß die Immunität, wie sie z. B. in Fällen von Diphtherie oder Starrkrampf sich ausbildet, auf einer neu gewonnenen spe- zifisch-antitoxischen Kraft des flüssigen Bestand, eils des Blutes, des Blutserums beruht. Das Wesen der von ihm entdeckten anti- toxischen Immunität drückte er aus in dem Satze:Dieselbe Substanz, die in der Zelle gelegen, Ursache und Voraussetzung der Vergiftung ist, wird zum schützenden und heilenden Anti- toxin, sobald sie sich in der Blutflüssigkeit befindet. Kein ge- ringerer als der geniale Schöpfer der Zellularpathologie, Ru- do lf Virchow war es, der sich gegen diese von ihm alsIrr- lehre aufgefaßbte Deutung wandte und sie aufs schärfste be- kämpfte. Und doch hat sie sich siegreich behauptet!

Die kür die antitoxische Immunität zutreffenden Gesetze sind indessen keineswegs auch für die antiinfektiöse gültig, hier liegen die Verhältnisse, wie schon angedeutet, wesentlich kom- plizierter. Die Abtötung der Bakterien im Organismus, die Bakteriolyse, beruht auf dem Zusammenwirken zweier Substan- zen, von denen die eine bei der spezifischen Immunisierung neu-