—
11
bei der Analyse der erworbenen Immunität, auf die ich später noch zu sprechen kommen werde.
Hier darf ich aber noch anfügen, daß die mit natürlicher Immunität begabten Individuen für die Seuchenverbreitung sehr gefährlich werden können, weil sie nicht selten die Krankheits- erreger in irgendeinem Schlupfwinkel ihres Körpers in sich tragen und verschleppen. Es sind dies die sogenannten Ba- zillenträger. So ist bekannt, daß sich im Innern des Körpers von Schweinen Schweinerotlaufbazillen und Bazillen der soge- nannten Schweineseuche finden, oder bei Hühnern die Bazillen
der Hühnercholera aufhalten, ohne daß die Tiere sichtbar er-
kranken. Auch beim Menschen kommen ja solche Bazillen-
träger nicht selten vor, so z. B. beim Herrschen der Cholera,
des Typhus, der Diphtherie, der Ruhr. Seuchenausbrüche un- bekannter Herkunft können unter Ums:änden durch Vermittelung solcher Bazillenträger entstehen. Diese Feststellung is! für die Seuchenbekämpfung von großem Wert gewesen. Nicht minder die andere, daß Menschen und Tiere, die eine Infektionskrank- heit siegreich überstanden haben und wieder genesen sind, trotz- dem noch auf längere Zeit Bazillen ausscheiden können; man bezeichnet sie als Dauerausscheider.
Jene angeführten Beispiele von natürlicher Resistenz und natürlicher Immunität weisen nun aber auch darauf hin, dab sowohl von seiten des Krankheitserregers als auch von seiten des bedrohten Individuums gewisse Bedingungen erfüllt sein müssen, damit eine Infektion zustande kommt. Der Krankheits- erreger muß über eine genügende Lebensenergie, über spezi- Tische vitale Potenzen verfügen, er muß, wie man sich aus- drückt, mit einer ausreichenden Virulenz begabt sein, um in das tierische Gewebe einzudringen, sich entweder dort schrankenlos und rasch zu vermehren oder lokal oder allgemein wirkende Gifte zu bilden. Und der vom Krankheitserreger bedrohte Orga- nismus muß disponiert sein, damit der Angriff nicht vergeblich ist. Virulenz einerseits und Disposition andererseits sind die das Zustandekommen der Infektion wesentlich bedingenden Faktoren; sie sind zugleich mitbestimmend für den Grad und für den Ver- lauf des Infektionsprozesses und von Seuchen. Virulenz und Disposition sind jedoch keineswegs einheitliche und auch nicht unveränderliche, vielmehr variable Gröben; sie können beeinflußt werden nach der negativen wie nach der positiven Seite. Im


