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Stirnhirn kann man nicht dressieren. Der Gorilla hat Sinnes- zentren wie der Mensch, aber die Assoziationsfelder und das Stirnhirn sind wenig entwickelt. Auch der diluviale Mensch hatte ein kleines Stirnhirn. Die Gehirne bedeutender Menschen weisen meist ein großes Stirnhirn mit auffallendem Windungsreichtum auf. Menschen mit verkümmertem Stirnhirn sind immer Idioten. So muß das Stirnhirn als ein höheres Zentrum angesehen werden, das in seiner Tätigkeit von den Assoziationsfeldern unterstützt wird.
Cytoarchitektonisch hat sich nun gezeigt, daß diese Region des Stirnhirns, die sogenannte granuläre frontale Hauptregion, beim Menschen 20% der Gesamtrinde ausmacht, beim Schimpansen nur 10,0% ͤ„beim Kaninchen gar nur 2,20 und bei niederen Säuge- tieren ist eine granulierte Formation am vorderen Ende des Stirn- hirns überhaupt nicht mehr ausgebildet. Während diese Haupt- region ferner beim Menschen aus 8—9 deutlich geschiedenen cytoarchitektonischen Feldern besteht, kommen bei niederen Affen nur noch 4—5 Felder vor. Bei verschiedenen Menschengehirnen sind bezüglich des Verhältnisses der praefrontalen Hauptregion zur Gesamtrinde Unterschiede von über 50% nachweisbar. Ein spezifisches Merkmal des menschlichen Stirnhirns ist ferner die Ausbildung der unteren Stirnwindung, die auch eyto— und myelo- architektonisch in dieser Form nur beim Menschen vorkommt.
Nach alledem werden wir zu der Annahme gedrängt, daß das Stirnhirn und die Assoziationsfelder den höheren geistigen Funktionen dienen, die also an die Materie geknüpft sind, krei- lich an eine ganz besondere Materie mit ganz besonderen physio- logischen Eigenschaften, die im einzelnen darzulegen nicht die Zeit ist.
Es ist für den Physiologen eigenartig zu beobachten, wie die Menschheit sich gegen diese Annahme sträubt, wie sie es nicht wahr haben will, dab Körper und Geist, Leib und Seele im Grunde eins und nur der Ausdruck verschiedener spezifischer Differen- zierung der lebenden Substanz sind. Philosophie und Psychologie haben bisher nur einen psychophysischen Parallelismus zugestanden, sie Werden sich in der Folge der Macht der Tatsachen beugen und sich noch mehr der Physiologie nähern müssen, das ist meine feste Uberzeugung.
Meine Damen und Herren! Es liegt mir fern, einem öden Materialismus das Wort zu reden, ich sehe vielmehr in der ganzen Natur nur höchsten Geist und Verstand. Enthüllt uns nicht die


