Einzelbild herunterladen

5

konstant erhalten. Bei lokalisierter Erkrankung des Wärmezentrums kann geradezu vom Gehirn aus Fieber entstehen, sogenanntes cere- brales Fieber. Zur Erklärung des Umstandes, daß die querge streifte Muskulatur ein Hauptsitz exothermischer Prozesse auch bei relativer Ruhe der Muskeln ist, wird angenommen, daß diese Organe auf dem Weg periarterieller Nerven Reize empfangen, welche zu Oxydationen in der Muskulatur Veranlassung geben.

Aus alledem geht hervor, welch bedeutsame, erst neuerdings erkannte Rolle das Zwischenhirn als Zentralstation des vegetativen Nervensystems spielt; sein Einfluß erstreckt sich weit in das Rückenmark hinab, insofern als das Höhlengrau am Boden des 3. Ventrikels, um den Aquaeductus cerebri herum, am Boden des 4. Ventrikels und am Seitenhorn des Rückenmarks funktionell zusammengehören.

Während die Zentralisation der meist nicht bewußt werdenden und dem Willen entzogenen vegetativen Funktionen sich nach unseren jetzigen Kenntnissen mehr auf subkortikale Zentren be- schränkt, findet die Zentralisation der mit Bewußtseinsvor stellungen verknüpften, bis zu einem gewissen Grad dem Willen unterworfenen animalen Funktionen unter Vermittlung sub kortikaler Etappenstationen in der Großhirnrinde selbst statt, also in kortikalen Zentren; in der 3. und 4. Rindenschicht scheinen dort die zentripetalen Bahnen zu enden und die Eindrücke fixiert zu werden, die man als Engramme bezeichnet.

Man weiß nun schon länger, daß zu jedem Sinnesorgan eine Zentralstation gehört, in der die Wahrnehmung, d. h. die bewußte Empfindung, zustande kommt. So ist die Tast- und Tiefendruck-, ferner die Wärme-, Kälte- und Schmerzempfindung an die Körper- fühlsphäre im Scheitellappen des Gehirns, die Geschmacks- und Geruchsempfindung an den Gyrus hippocampi und die Gegend des Ammonshorns, die Gehörsempfindung an den Schläfenlappen und die Gesichtsempfindung an den Hinterhauptslappen gebunden, man weiß aber erst durch die Untersuchungen von Brod mann genauer, wie scharf die Lokalisation nicht nur für die Empfindung, zondern auch für andere Funktionen durchgeführt ist.Die linien scharf abgegrenzten und als besondere morphologische Organe aus der Rindenfläche heraustretenden Strukturzonen lassen sich nicht anders als durch die Annahme erklären, daß in ihnen ebenso scharf umgrenzte spezifische Funktionen lokalisiert sind, dab, mit andern Worten, jedes derartige Organ der Träger einer ausschließ-