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Neueres über die Zentralisation der Funktionen im höheren Organismus.
Meine Damen und Herren! Der höhere Organismus, in- sonderheit der Mensch, ist ein Zellstaat, der aus mehreren Hun- dert Billionen von Individuen erster Ordnung, eben von Zellen, besteht, die ihrerseits wieder zu Individuen höherer Ordnung, zu Geweben und Organen, mit spezifischer Funktion differenziert sind. Ist es schon nicht leicht, einen Menschenstaat von hundert Millionen Individuen so in Ordnung zu halten, daß eine fort- schreitende Entwicklung sich ergibt, wie viel schwerer muß es sein, diesen Zellstaat mit seinen millionenmal mehr und dabei so winzigen Individuen, die nur nach Tausendstel eines Milli- meters messen, im Interesse des Mikrokosmos Mensch zu erfolg- reicher physiologischer Zusammenarbeit zu bringen. Wir stehen staunend vor dieser Organisation, die hier die Natur zustande gebracht hat, haben aber alle Ursache, den Grundlagen dieser Organisation nachzuspüren, um daraus Nutzanwendungen für un- seren Staat, der, wie jedes Einzelindividuum, physiologischen Ge- setzen unterworfen ist, zu gewinnen. Wir müßten in dieser Beziehung schon weiter sein, wenn die Allgemeinheit sich mehr mit physiologischen Dingen, die uns alle doch so außerordent- lich nahe angehen, beschäftigte, aber leider ist es immer noch so, wie es mein Kollege M. Gildemeister vor einiger Zeit bei seiner Antrittsrede in Leipzig treffend gekennzeichnet hat, nämlich daß selbst der Hochgebildete gewöhnlich von der Dampf- maschine oder dem Fernsprecher, ganz zu schweigen vom Funk- wesen, mehr weiß, als von den Organen in seinem Innern.
Damit nun der Zellstaat lebenskräftig und funktionstüchtig bleibt, muß ihm, da er sich beständig abnutzt, und zwar um so mehr, je mehr er tätig ist, Ersatzmaterial in Form von Nah- rung zugeführt, es muß diese Nahrung chemisch verarbeitet und das Verarbeitete ins Blut übergeführt werden. Es muß ferner der Sauerstoff, da der Lebensprozeß ein Verbrennungsprozeß ist, durch die Lungen hindurch gleichfalls ins Blut gelangen, es müssen endlich auch noch lebenswichtige chemische Stoffe, die soge- nannten Hormone, von den Blutgefäßdrüsen aus ins Blut ab— gegeben werden, um chemische Korrelationen zwischen den ein- zelnen Organen auf dem Blutweg zu unterhalten.
Die so ins Blut gelangten Stoffe müssen nun den einzelnen Staatsbürgern, den Zellen, zugeführt werden, was mit Hilfe der


