Ein neues deutsches Evangelienbruchstück des vierzehnten Jahrhunderts. 23
Schlieblich noch zwei besonders und schon an sich beweisende Zusammenhänge.
16,1 haben Beheim sowohl als unser Fragment verum der Vulgata als vestrum aufgefaßt, was iiber ist; J. Bibel, Codex Teplensis, Münch. Codex g. 5018 haben natürlich wτs v, ist.
15,3½2 weichen M. B. und F. zweimal gemeinsam von der Vul- gata ab, und zwar in einer Weise, daß nicht an die oben angeführte Erklärung(durch Ansetzung einer anderen Vulgatarezension, als sie mir vorliegt), gedacht werden kann.
Das frater tus der Vulgata geben F. u. M. B. wieder durch iin sum dlin brüder; revixit übersetzen beide mit ist lebend worden?;
Nach all dem Angeführten dürfte es keinem Zweifel unterliegen, dab M. B. und F. in unmittelbarem, engem Zusammenhang zueinander stehen müssen. Daneben müssen wir allerdings auch die Ver- schiedenheiten zwischen den beiden Hs. ins Auge fassen; sie helfen uns vielleicht zur näheren Bestimmung der Art des Verhältnisses das zwischen M. B. und F. waltet.
Die auffallenden Unterschiede zwischen M. B. und F. zerfallen von Anfang an in drei verschiedene Gruppen. Eine von ihnen dürfte ihren Grund in der örtlichen Verschiedenheit von M. B. und F. haben. Hierher gehört das Pronomen Her für er bei B.(ebenso die iin unbetonten Silben). Vor allem ist hier ein großer Teil der Unterschiede im Wortschatz zu nennen. Z. B.:
85 M. B.
14, mu. 5 sabathedage qundbind 15,2 enpfafit nmel 16„lien hilsin 26 Hiecch rute
26 Heil geciunt.
Doch können die beiden letzten auch in der zeitlichen Ver- schiedenheit begründet sein. Leider macht sich hier das Fehlen einer deutschen Wortgeographie wieder einmal schmerzlich be— merkbar.
Aus dem Formenbau: gent, sehent, Sprechen get, geht, Srechit.
Ein weiterer Teil der Abweichungen wird sich dadurch erklären, daß F. älter ist als M. B. Schon der ganze Satzbau(etwa die
1 Vgl. auch oben S. 14. 2 S. Bechsteins Ausgabe des Evangelienbuches, S. 156, Anm. 3 u. 4.


