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und Unglaube unabhängige Beobachtung unverbrüchlicher Ge- setze zwang sich mit unerbittlicher Folgerichtigkeit den Nach- denkenden unter Gläubigen und Ungläubigen auf. Das haben die großen Naturforscher des neu aufgehenden Zeitalters Wohl gewußt. Mit großer Klarheit bricht bei ihnen die Erkenntnis durch, daß die Gebiete der Religion und der Natur wissenschaft einander nicht zu stören brauchen. Galilei hat es der Groß- herzogin Christina von Lothringen gegenüber auf die Formel gebracht:Der heilige Geist lehrt uns, wie man in den Himmel kommt, nicht wie der Himmel sich bewegt.)

Mit dem Hinweis aber auf die Veränderung des Weltbildes ist es nicht getan, wenn wir die ganze Schwere des Problems ermessen wollen, das sich mit dem 17. Jahrhundert auf die christigläubige Menschheit herabgesenkt hat. Es gilt sich gegen- wärlig zu halten, daß sich mit der Umwälzung des Weltbildes eine Neurichtung der Weltanschauung von gleicher Trag- weite vollzog. Sie ist bezeichnet durch den Satz Descartes': Die Grundregel der Philosophie ist, niemals etwas als wahr anzunehmen, was ich nicht klar ais solches erkenne, nichts in mein Urteil aufzunehmen, als was sich so klar und deutlich meinem Geist darbietet, daß ich keine Veranlassung habe, es in Zweifel zu ziehen.) Die Stunde, in der diese Worte nieder- geschrieben wurden, ist die Geburtsstunde der modernen Welt betrachtung. Während nun aber durch die Tat des Kopernikus die Erde aus ihrer beherrschenden Stellung im Weltsystem verdrängt wurde, drückte die Regel Descartes' dem Menschen, indem sie seine Ratio für selbstherrlich erklärte, das Mittel in die Hand, sich den Platz zu erobern, von dem aus er die Welt aus den Angeln zu heben sich anschicken sollte. Der Geozen- trismus sank dahin, der Anthropozentrismus hob das Haupt. Die Folge mußte sein, daß auch die Religion in solche rationalistische Betrachtung einbezogen wurde. Spinoza war es, der in seinemTheologisch-politischen Traktat von der Betrachtung der Schrift als der Urkunde der Offenbarung alle übernatürlichen Gesichtspunkte ferngehalten wissen wollte: die Bibel ein Buch wie alle anderen auch, nicht als einBrief anzuschen, den Gott den Menschen vom Himmel gesandt hat, so daß es ein Verbrechen wider den heiligen Geist wäre, das Wort Gottes kür verstümmelt, verfälscht und widerspruchsvoll zu erklären In den Ausführungen, mit denen Spinoza diesen