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anschauung.s) Daß der so harmlos klingende und harm los gemeinte Titel der Schrift des Kopernikus: de revolutio- nibus orbium coelestium, von den Umdrehungen der Himmels- körper, revolutionären Sprengstoff von unheimlicher Kraft ver- deckte, davon hatte der Verfasser selbst keine Vorstellung, und die wenigen, die was davon erkannten und töricht genug ihr volles Herz nicht wahrten, mußten wissen, dab Tod, Kerker, Verbannung ihrer harrten. Descartes, der Zögling der Jesuiten von La Fleèche, ließ darum sein großes Werk über das Weltall in seinem Schreibtisch liegen, als er von der Verurteilung Ga lileis erfuhr, und Bacon, der doch den Anspruch erhob, die Wissenschaft neu auf die Beine zu stellen, erklärte Kopernikus kür einen von den Männern, die es für nichts achten, alles Beliebige in der Natur zu erdichten, wenn es nur in ihren Rechnungen aufgehe.% Ganz selten, daß sich der Schleier ver- zieht und aus dem gläubigen Gemüt eines tiefen Denkers ein Wort emporsteigt, wie dieses, das Johann Kepler einem Geg- ner vorhielt:Du sagst, du werdest deine Beweise für die Unbeweglichkeit der Erde der heiligen Schrift entnehmen. Ich sage dir, das heißt die Schrift für natürliche Zwecke miß- brauchen, wo doch in ihr allein von Religion die Rede ist, von Fragen, die sich auf die Verehrung Gottes und die Sorge um das Seelenheil beziehen.)

Etwa ein Jahrhundert später hat einer der geistigen Führer des Luthertums, der treffliche Valentin Ernst Löscher, folgen- den Ausspruch getan:Sobald man nur einmal anfing, die zum wenigsten gar ungewisse Lehre, daß die Sonne stehe und die Erde um dieselbe herumgedrehet werde, festzusetzen, so bald nahm die Verachtung der heiligen Schrift und der Glaubens- punkte merklich zu.) Wie so oft, so beleuchtet auch hier ein einziges Wort die Lage deutlicher, als lange Auseinander- setzungen es vermöchten. Löscher hat Recht: Wenn sich die Erde um die Sonne drehte, dann war es eben falsch, daß die kreisende Himmelskugel auf Josuas Befehl ihren Lauf unter- brochen hatte. War aber einmal an einer Stelle Bresche ge- legt, so mußte die ganze Welt der Naturwunder, in der Bibel und Kirchenlehre leben, einer Prüfung unterzogen werden. Rich- tig verstanden stellte sich dann freilich nicht Unglaube gegen Glaube, wie Löscher es ansah, sondern die nüchterne Betrach- tung der Wirklichkeit des Naturgeschehens, die von Glaube