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sei mit Harnacks Berufung nach Berlin der Stuhl des Satanas, von dem die Offenbarung Johannis redet, in der Reichshaupt- stadt aufgerichtet worden. Inzwischen ist nicht nur die dogmen- geschichtliche Forschung im engeren Sinn von einem Heer wissenschaftlicher Arbeiter, großer und kleiner, fortgesetzt, es ist auch das Gesichtsfeld nach allen Seiten hin erweitert worden: die ganze Geistesgeschichte des Christentums ist als empirisch
gegebene Größe in den Strudel der historisch-kritischen Be-
trachtung hineingezogen worden. Satansstühle sehen wir an allen Universitäten errichtet, und es gibt fromme Christen genug, die in der ganzen Arbeit der theologischen Wissenschaft nur einen Greuel an heiliger Stätte zu erblicken vermögen.
Ich habe diese Lage grell beleuchtet, weil mir daran ge- legen ist, sie in ihrer Bedeutung scharf herauszustellen. Aber ich habe nicht die Absicht, länger bei ihr zu verweilen. Vielmehr möchte ich sie zum Anlaß einiger grundsätzlichen Erwägungen machen, die sich mir angesichts der jüngsten Bewegungen im theologischen Lager immer wieder aufdrängen wollen.
Die Einbeziehung des Christentums in die der wissenschaft- lichen Zergliederung unterliegenden Tatsachen unseres Geistes- lebens und die damit unausweichlich verbundenen Folgen für unser Glaubensleben sind ein besonders bedeutsames, sind ge- radezu ein Musterbeispiel für die Ausdehnungskraft dessen, was wir mit einem neuerdings beliebt gewordenen Schlagwort als Historismus zu bezeichnen pflegen. Wir wollen darunter nicht jene nur- geschichtliche Betrachtung verstanden wissen, die seit Nietzsches berühmter Abhandlung unzählige Male ge- geißelt worden ist, sondern die, um es mit Troeltschens Worten zu formulieren), grundsätzliche Historisierung alles unseres Denkens über den Menschen, seine Kultur und seine Werte. Daß die Einbeziehung des Christentums in diese Historisierung Platz gegriffen hat, ist eine Tatsache; wie sie zu bewerten sei und ob man ihr, wenn man ihr entfliehen möchte, entfliehen kann, eine heiß umstrittene Frage.
Es ist oft dargelegt worden und bedarf daher in diesem Zusammenhang keiner Begründung, daß die Historisierung unse- res Denkens eine Frucht jener Bewegungszeit in der westeuro— päischen Kulturgeschichte ist, die wir mit dem Namen Auf- klärung geschmückt haben. Man kann leider heutzutage dieses Wort kaum in den Mund nehmen, ohne daß eine ganze Meute


