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nicht die Führung haben, oder in der ihre Pflege gar zu verkümmern droht, Wege wandelt, die nicht in die Höhe weisen, sondern in flaches Land. Mag dieses Land noch so reich gesegnet sein an Früchten des Feldes und allen Gaben der Natur, mögen wir, die wir darinnen leben, beherrscht sein von dem stolzen Bewußtsein, daß wir es herrlich weit gebracht haben und noch immer weiter bringen werden, der Sinn des Lebens, das wir führen, wird uns auf diesem Weg nicht auf- gehen. Ihn zu enträtseln, soweit es in des Menschen Macht steht, bedarf es des freien, weiten Blicks in die Höhen und iefen unseres Daseins, den nur die Geistes wissenschaften zu schulen vermögen.

Als ein Vertreter dieser Geistes wissenschaften spreche ich heute zu Ihnen, als ein Vertreter gar der Theologie, die man in längst vergangenen Zeiten als Königin der Wissenschaften zu feiern wußte, der man auch heute noch, alter Ubung folgend, im Kreis der Wissenschaften den ersten Platz zu lassen pflegt, der aber manche kaum den letzten gönnen möchten. Ich will mich in diesen Streit nicht mischen, aber man wird es mir nicht als falschen Ehrgeiz auslegen, wenn ich durch Wahl und Behandlung meines Gegenstandes zu der Erkenntnis bei- tragen möchte, daß die Theologie ihren Anspruch, auf dem Weg zur Lösung der höchsten und tiefsten Lebensfragen Füh- rerin zu sein, mit gutem Grund erhebt. Darum wähle ich meinen Gegenstand nicht aus dem mir fachmännisch anver- trauten Gebiet der Kirchengeschichte, als welche ein Teilstück der Geschichts wissenschaft und somit der Theologie nur an- gewachsen ist, sondern ich greife mit ihm als Theologe an das Herz der Wissenschaft von Gott und göttlichen Dingen. Ich erbitte Ihre Aufmerksamkeit für das Thema:

Der Historismus und die Bibel.

Meine Damen und Herren! Es sind jetzt% Jahre ver- gangen, seit ich hier in Gießen von Adolf Harnack in die dogmengeschichtliche Forschung eingeführt wurde. Ich habe das große Werk, das den Namen seines Verfassers berühmt machte, vollenden sehen und bin einer der ersten gewesen, die es mit dem Heißhunger lernbegieriger Jugend verschlangen. Heute gehört Harnacks Dogmengeschichte zu den klassischen Büchern unserer Wissenschaft, das beißt aber, sein Buch ist