Hochansehnliche Versammlung! Sehr verehrte Herren Kollegen!
Liebe Kommilitonen!
Schon wieder ist ein Jahr hinabgesunken. Mir ist es, als sei es gestern gewesen, daß wir hier zusammenkamen, um den Bericht des Rektors entgegen zu nehmen. Wieder haben wir die Wahrheit des alten Wortes an uns erfahren: es Ffähret schnell dahin, als flögen wir davon. Heitere und ernste, frohe und trübe Stunden hat unsere Alma mater erlebt, und auch die Trauer ist ihr nicht erspart geblieben. Sie darf zurück- blicken auf ein reiches Jahr, in dem sie gesäet hat und ge- erntet nach der Fülle ihrer Aufgaben, auf ein köstliches Jahr, denn es ist Mühe und Arbeit gewesen. Aber sie durstet nach mehr. Um ihrer selbst willen darf sie den Verzicht auf eine Erweiterung ihrer Aufgaben, den man ihr anmuten möchte, nicht eingehen. Wenn sie im Kreis ihrer Schwestern mit Ehren bestehen soll, so muß sie auch über genügende Ausstattung verfügen. Daß sie sich dabei zu schicken hat in der Zeiten Not und Beengtheit, ist selbstverständlich. Daß sie mit der Erfüllung auch dringlicher Wünsche nicht rechnen darf von heute auf morgen, das weiß sie. Auch ist sie von Herzen dankbar für alle Förderung, die ihr im abgelaufenen Jahr zu Teil geworden ist: dankbar der Regierung und der Volks- vertretung, dankbar den Vätern dieser Stadt, dankbar der immer neu sich bewährenden Hilfsbereitschaft Einzelner. Und doch glaubt sie Anlaß zu haben zu der Bitte, Staat, Stadt und Einzelne möchten nie vergessen, was sie ihr und ihren Söhnen schulden, Anlaß insbesondere zu der Bitte, man möge über dem Nutzwert der der Wirtschaft dienenden Wissenschaften, die ihr im letzten halben Jahrhundert zugewachsen sind, nicht vergessen, daß eine Universität, in der die Geistes wissenschaften


