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Oder aber die mythische Anschauung wird projiziert in die Lu- kunft: So entsteht das eschatologische Bild. 5
A. Auch die Anschauung vom immer wiederkehrenden König der Weltzeiten ist ursprünglich astralmythisch, d. h. in diesem Falle sehr wahrscheinlich solar; sie ist eine Variante der Vorstellung vom„Tage Jahves“, der auch das in die Eschatologie projizierte mythische Bild eines Sonnenaufganges ist. Aber die Steigerung astronomischer Kennt- nisse hat den Gedanken von Weltzeitaltern, die unter bestimmten Ge- stirnen oder Konstellationen stehen(den ursprünglich sehr einfachen Mythos außerordentlich komplizierend) hineingedeutet.
5. Wenn Philo sagt(de opificio 8 54):„Denn sobald das Gesicht vom Lichte hinaufgeleitet, die Natur und die harmonische Bewegung der Gestirne wahrnahm, die wohlgeordneten Umdrehungen der Fix- sterne und Planeten... bot es der Seele eine unsagbare Lust und Wonne, und je mehr diese sich an dem Anblick der Erscheinungen wei- dete,.. desto unersättlicher ward ihr Verlangen nach geistigem Schauen“(zitiert nach Bousset Kyrios Christos 2 S. 167)— so kommt treffend zum Ausdruck, daß der Gegensatz und Wechsel von Licht und Finsternis den Gegensatz und Wechsel von Freude und Angst für jedes ursprüngliche Empfinden ausdrückt und abbildet, nein, in sich schließt, und daß die mythische Anschauung und damit auch der Mythos und die Eschatologie durch das Unirdische und Weiträumige, das ihnen von Ursprung her innewohnt, für das Gestalt- und Vorstellung-werden des Erlebnisses der Religion das am ehesten zureichende und überall verwandte Mittel geworden sind. Der Mythos wird zum„geistigen Schauen“. Was hat die israelitische Prophetie aus dem dionysischen Weltenkönig von Gen. 49, 10 gemacht!
6. Der skizzierte Vorgang läßt sich z. B. beleuchten an der mythischen Vorstellung vom Tierfrieden. Es gibt in der Entwicklung der Völker wie in der des einzelnen Menschen eine Zeit, in der die Tiere als ganz gleichartige Wesen betrachtet werden. Daß sie sprechen, daß) sie Empfindungen haben wie der Mensch, erscheint in keiner Weise als befremdlich. Auch in dieser Beziehung kommt früh der Augenblick, Wo man anders, nüchterner, unkindlicher empfindet. Aber auch hier war, was man besaß, zu schön, um spurlos unterzugehen. Auch hier sagt man:„Es war einmal.“ Die Anschauung wird zur Erzählung: Einst in der Urzeit lebten Tiere und Menschen vertraut und ohne Feindschaft miteinander. Oder die Anschauung wird zur Erwartung: Einst„an jenem Tage“ am Ende der Dinge, da wird es wieder so seim. Diese Bilder aber werden der heißen Sehnsucht von Kriegen müder Völker, werden dem sozialen Sinn der Propheten zum„geistigen Schauen“. Die Erwartung einer Welt, in der„nichts Böses mehr geschieht, lein Unrecht,
Uberall in meinen heiligen Bergen,“ in der„das Land ist voll der Erhenntnis Jahves wie die Wellen das Meer bedeclcen“ kleidet Jesaia in die wunderbaren Farben des Paradiesfriedens der Tiere.


