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Wieder hören wir, daß der Endzeitskönig, der in Jeru- salem seinen Thron haben soll, von irgendwoher gezogen kommt, wieder, daß seine Herrschaft die Herrschaft eines Wel- tenkaisers ist. Vom Meer zum Meer,„vom Euphratstrom bis an die Enden der Erde“ reicht sein Regiment. Auch hier haben wir wieder den im Rahmen des Alten Testaments archa- ischen Zug, daß der König auf einem Esel beritten ist. Soll das Füllen als Reittier darauf deuten, daß der König auch hier ein Kind ist? Auch hier ist ein wesentliches Merkmal der von ihm heraufgeführten goldenen Zeit, daß alle Waffen und Kriegswerkzeuge verschwinden. Was aber neu hinzukommt. — und da zeigt sich nun der Geist jener gewaltigen religi6s- sozialen Bewegung des 8. Jahrhunderts, des großen Prophetis- mus— der Endzeitskaiser hilft dem Elenden. Sein erstes Prädikat ist das Beiwort„der Gerechte“.
Es war im Jahre 735 v. Chr. Geb., als zum ersten Mal der Prophet Jesdid ein uns überliefertes Wort über den König der Endzeit gesprochen hat. In jenem Jahr, in dem ein syrisch- ephraimitisches Heer den König von Juda Ahas zum Anschluß an einen gegen Assyrien gerichteten Bund mit Gewalt der Waffen zu zwingen versuchte. Da tritt Jesaia dem König ent- gegen, gewillt ihn herumzureißen in seine religiöse Betrachtung der Geschichte, in das Vertrauen, daß nicht Aram oder Israel, sondern daß der Gott Jahve die Geschichte der Völker lenkt. So ruft er ihm zu(Jes. 7, 14 f.):
„Erbitie Dir ein Zeichen von Jahve, Deinem Gott, tie aus der Unterwelt drunten, oder hoch droben aus der Höhe.“
In innerster Erregung, in einer Spannung der Seele, die sich auch des KAußersten mächtig fühlt, die Augen in verzücktem Glanz, alle Muskeln gespannt, so steht er vor dem König.
Der junge, weltlich gestimmte, mit politischen Gedanken; erfüllte Fürst schrickt zusammen:„eh mag Jahve nieht ver- suchen, ich mag seein Zeichen von ihm erbitten!“ Der Prophel spürt bei diesem Ausweichen des andern, wie das Vollmachtsbe- wußtsein, wie die unerhörte Kraft, mit der er sich noch eben eines Wunders fähig fühlt, schwindet. Und so fährt er den König an:„Ihr vom Hause Israel, ist es euch æu wenig, Men- schen eu ermüden, daß Ihr meinen Gott ermüdet! Und nun kommt das Wichtige:„Darum gibt euch der Herr ungebeten ein Zeichen: Siehe dus junge Weib. Es ist schwanger und


