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meidlichen Verluste durch vorzeitigen Tod allmählich zum Aus— sterben des Volkes führen muss, ist klar. Als normaler Durch- schnitt ist eine Aufzucht von drei Kindern für jede gesunde Familie als Mindestforderung festzuhalten. Gegen- wärtig sind die Verhältnisse leider so, dass die Unverheirateten und die kinderlosen Ehepaare wirtschaftlich viel besser gestellt sind als die kinderreichen Familien. Das muss aufhören; durch gesetzgeberische Massnahmen grössten Stils insbeson— dere in steuerlicher Hinsicht ist zu erreichen, dass dieser ungerechte Unterschied verschwindet und dass durch eine all- gemeine Kinder- und Elternschaftsversicherung, deren Kosten in erster Linie von den Ehelosen und von den kinderarmen Familien aufzubringen wären, die Aufzucht der Kinder und die Altersver— sorgung der Erzeuger gesichert wäre. Schon kurz vor dem Kriege hat der Münchener Hygieniker M. v. Gruber!) in einer eindringlichen, von warmer Vaterlandsliebe und tiefem sittlichem Ernst getragenen Studie die Notwendigkeit solcher Massnahmen gefordert. Schwache Ansätze dazu sind ja schon in unserer jetzigen Steuer- und Lohnpolitik enthalten; aber man bedenke, wie geringfügig heute noch die Frauen- und Kinderzuschläge im Verhältnis zum Einkommen des Einzelnen sind. Mit kleinen Mittelchen ist der heutigen ungeheuren Not gegenüber nicht zu helfen; wir werden uns zu ganz grosszügigen wirtschaftlichen Massnahmen entschliessen müssen, da mit dem blossen Appell an das sittliche und patriotische Gefühl allein nicht gedient ist. Insbesondere wird es erforderlich sein, dem schreienden Missver— hältnis zwischen der Entlohnung der Jugendlichen und der Familienväter zu begegnen; viele jugendliche verprassen ihren Verdienst zu ihrem eigenen schwersten körperlichen und sittlichen Schaden; ich brauche auch hier wieder nur an Trunk und ge- schlechtliche Ausschweifungen mit ihren Folgen zu erinnern. Selbstverständlich geht es nicht an, dem jugendlichen für dieselbe Arbeitsleistung einen geringeren Lohn zu geben als dem Verhei— rateten, um nicht den älteren Arbeiter dadurch zu unterbieten; aber es wäre der Weg gangbar, dem jugendlichen einen Teil
15) M. v. Gruber. Die Bedeutung des Geburtenrückganges für die Gesundheit des deutschen Volkes.(38. Versammlung des Vereins für öffentl. Gesundheitspflege in Aachen 1913.) Deutsche Vierteljahrsschrift für öffentl. Gesundheitspflege. Bd. 406. 1914.


