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die methodische Auslese bei der Eheschliessung. Dieses Mittel, dem Pflanzen- und Tierzüchter wohlbekannt, in der modernen Kulturmenschheit aber noch kaum beachtet, besteht darin, durch bewusste wechselseitige Auswahl der Ehegatten die beste Kom- bination von Erbanlagen für die Nachkommenschaft zu erzielen und fehlerhafte Erbanlagen, die vielleicht nicht bei dem Erzeuger selbst, sehr wohl aber bei seinen Vorfahren oder Geschwistern offensichtlich erkennbar sind und bei ihm selbst im schlummernden Zustand verharren, nach Möglichkeit auszuschliessen. Welche Verantwortlichkeit hiernach den Gatten bei der Eheschliessung zufällt, und in welch neuem Licht dieser biologischen Erkennt nisse die Heiligkeit der Ehe erstrahlt, davon werden wir bei der Aufstellung unserer praktischen Forderungen nachher noch zu reden haben.

Für den Augenblick kam es uns darauf an, durch die an- geführten Beispiele aus den Gebieten der körperlichen und geistigen Kultur, aus Sozial- und Rassenhygiene zu zeigen, wie als Leit- stern für zielbewusstes hygienisches Handeln einzig und allein die wissenschaftliche Erkenntnis taugt, mag sie auch oft genug der landläufigen Meinung zuwiderlaufen. Wir haben in einige Irrgänge des Labyrinths hineingeleuchtet, in dem wir uns ohne den Ariadnefaden methodischer wissenschaft- licher Forschung hoffnungslos verlieren würden. Es liegt uns jetzt ob, die wahren Mittel und Wege aufzuzeigen, durch die Wir zum Ziel der Gesundung und Ertüchtigung des Einzelnen und der Wiedererneuerung des gesamten deutschen Volkes gelangen können. Drei Wege eröffnen sich vor uns, die einander nicht ausschliessen, sondern ergänzen: gesetzliche Vorschriften, Fürsorgemass nahmen, ziel- bewusste Mitarbeit jedes Einzelnen an der hygienischen Lebensgestaltung.

In alten Zeiten waren die hygienischen Vorschriften vielfach mit der Religion des Volkes verknüpft, um ihnen die entsprechende Autorität zu verleihen und um dem unlöslichen Zusammenhang zwischen Volksgesundheit und Sittlichkeit, auf den wir immer wieder und wieder zu verweisen haben 1), Weithin sichtbaren

12) Vergl. u. a. G. Liebermeister. Gesundheitspflege für Leib und Seele. München(C. Gmelin) 4924, sowie

13) R. Paas ch. Gesundheit und Lebensklugheit(Wissenschaft und Bildung 147). Leipzig(Quelle& Meyer) 1921.