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Gesundheit und Krankheit, die sich nicht nur bei ihm selbst auswirken, sondern die er auf seine Nachkommen vererbt. Da- durch ist der Kreis der hygienischen Wissensgebiete und der praktischen hygienischen Betätigung in ungeahnter Weise in mehr- facher Hinsicht erweitert worden. Die Hygiene ist hinaus— gewachsen über den engen Rahmen der Einzelpersön— lichkeit und ist zur sozialen Hygiene einerseits, zur Volks- und Rassenhygiene andererseits geworden. Und auf dem Gebiete des einzelnen Menschen ist die Hygiene wiederum gewachsen zu immer höheren Aufgaben, angefangen von den leiblichen Funktionen zur Pflege derjenigen Eigenschaften, die das Einzelwesen wertvoll machen für das grosse Ganze, bis zur harmonischen Gestaltung der Gesamtpersönlich— keit, bis zur Kultur des Geistes und des Willens(Rub- ner“). Aber auch in diesen vielseitigeren und höheren Auswir— kungen sollte die Hygiene stets auf dem sicheren und festen Fundament der Naturwissenschaften gegründet bleiben, von dem ihre erste wissenschaftliche Gestaltung ausgegangen ist; der Mensch, auch wenn er sehnend seinen Blick zu den Sternen erhebt, soll mit festen Füssen stehen bleiben auf der wohl gegründeten Erde. Eine solche Mahnung ist nicht überflüssig in einer haltlosen Zeit wie der unsrigen, die so gern aller natur— gesetzlichen Gebundenheit sich entschlagen möchte, und dann um so eher gänzlich unklaren und irreleitenden Strömungen zum Opfer fällt. Wir hören heute so oft Sturm laufen gegen den Sog. Intellektualismus, wobei so mancher Mitläufer vielleicht gar nicht recht weiss, was gemeint ist; Allen denen, die von der strengen wissenschaftlichen Erkenntnis als Grundlage unseres geistigen Lebens sich lossagen möchten, rufen wir das warnende Wort des Geistes der Verneinung zu:„Verachte nur Vernunft und Wissenschaft, des Menschen allerhöchste Kraft, so hab ich dich schon unbedingt.“ Einige Beispiele sollen uns deutlicher erkennen lassen, vor welchen Irrwegen wir gerade anf dem Gebiete hygienischer Betätigung warnen möchten. Gewiss ist die Ertüch— tigung und harmonische Kultur des Körpers ein Ziel, des Schweisses der Edlen wert, ein Ziel, das vielleicht in den Vor— Kriegsjahren, ganz im Gegensatz zum klassischen Altertum, zu wenig gepflegt worden ist; aber wenn man neuerdings so manche
) M. Rubner. Berlin. Klinische Wochenschrift. 1905. Nr. 20.


