Einzelbild herunterladen

.

plätzen. Welch unübersehbare Folgen aber eine Sparsamkeit am falschen Orte haben könnte, das lehren u. a. einige Angaben Gottsteins über den rein wirtschaftlichen Schaden von dem Verlust an Menschenleben ganz abgesehen der selbst schon durch einen örtlich begrenzten Seuchenausbruch angerichtet werden kann; nach Angaben von Kathe u. Schae des erhält man von den wirtschaftlichen Folgen einer Typhusepidemie in einem Bergwerksbezirk mit insgesamt 630 Erkrankungen und 62 Todes fällen einen Begriff, wenn man hört, dass 27 000 Arbeitstage verloren gingen und allein die Kosten für die Anstaltsbehandlung der Erkrankten den vierten Teil des Jahreshaushalts der betr. Gemeinde verschlangen. Also auf dem Gebiete der Volksgesundheit Erspar nisse machen zu wollen, würde schon rein wirtschaftlich gesprochen sich bitter rächen, und der berufene Leiter des Preuss. Gesund heitswesens hebt hervor, dass auch in der jetzigen schweren Zeit unter allen Umständen aufrecht erhalten werden müsse die gesamte öffentliche Gesundheitspflege einschliesslich aller Fürsorgemass nahmen, die Ausbildung und Fortbildung der Arzte und des Heilpersonals, sowie die Forschungs möglichkeit als Grundlage wei teren Fortschritts. Dazu kommt, dass die wirklich kost spieligen einmaligen Aufwendungen für Zwecke der öffentlichen Gesundheit in den meisten deutschen Städten und Industrie- zentren schon längst gemacht sind; die sog. Assanierung der Städte durch Wasserwerke, Abwässerbeseitigungsanlagen u. dergl., der Bau der wichtigsten Untersuchungs- und Forschungsanstalten ist in Deutschland fast überall bereits durchgeführt, sodass wir nunmehr vorwiegend für die laufenden Ausgaben zu sorgen haben. Die Entwicklung der Hygiene hat es dabei mit sich gebracht, dass gegenüber früheren Anschauungen, die in der unbelebten Aussenwelt die Krankheitsursachen suchten, mehr und mehr der Menschesselbst in den Mittelpunkt des Interesses ge treten ist, der Mensch als Träger kleinster krankmachender Lebe- wesen, der- Mensch durch seine Betätigung in Beruf und Gewerbe und in allen seinen Lebensgewohnheiten, in Arbeit und Ruhe, in Erholung und Genuss, in Wohnung und Ernährung, der Mensch endlich als Träger innerer vererbbarer Veranlagungen für

8) Kathe und Schaede. Centralblatt für Bakteriologie. Abt. I. Origi- nale. Bd. 00. Heft 3. 1923.