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dass es dieser staatlichen Fürsorge zu danken ist, wenn sich (¶ͤuach Feststellungen von Kaupòꝰ) die Besserung der Sterblich- keitsverhältnisse der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter in Deutschland in dem letzten Vierteljahrhundert vor dem Kriege trotz zunehmender Industrialisierung sogar günstiger entwickelt hat als in dem so viel wohlhabenderen England. Aber noch ein anderes gilt es hervorzuheben. Die Hygiene ist heute nicht mehr in erster Linie auf die Fortschritte der all- gemeinen Kultur und auf die Höhe des Wohlstandes der Bevölkerung angewiesen; zweifellos gelingt es auch auf diesem Wege hygienische Ergebnisse zu erzielen Wie 2. B. die Zurückdrängung gewisser Seuchen durch zunehmende Rein- lichkeit der Bevölkerung, Seuchen wie Fleckfieber, die deshalb von Kiss kalte) treffend als„Krankheiten der Unkultur“ bezeichnet Werden. Aber im allgemeinen ist dieser Fortschritt der Hygiene auf dem Umwege über die Hebung der gesamten Kultur sehr langsam und kostspielig. Wir verfügen über andere Möglich- keiten, die selbst unter primitiven Verhältnissen, 2 B. in Ländern mit niedrigem Stand der Zivilisation, und auch bei beschränkten Mitteln, wie in der gegenwärtigen Notlage, ein sicheres, schnelles und billiges Arbeiten gestatten; es sind die sogenannten spezi- fischen Massnahmen, die sich direkt gegen die Ursache der betreffenden Gesundheitsschädigungen richten und deren Erfolg von dem Stande der gesamten Kultur des Volkes in weitem Umfang unabhängig ist. Um nur wenige Beispiele anzuführen, die Verbreitung der Lungentuberkulose lässt sich durch geeignete, sehr einfache Massnahmen gegen die Verstreu- ung des vom Erkrankten stammenden Auswurfs mit grosser Aus— sicht auf Erfolg verhüten, die erschreckend hohe Sterblichkeit der Säuglinge im heissen Sommer durch weite Verbreitung der natür- lichen Ernährung an der Mutterbrust oder, Wo dies in einem kleinen Bruchteil der Fälle nicht möglich sein sollte, einfach durch saubere Behandlung und kühle Aufbewahrung der zur künstlichen Ernährung verwendeten Kuhmilch weitgehend eindämmen, während der Versuch, die gleichen Erfolge durch allgemeine Hebung der Lebensbedingungen, wie sie mit vermehrter Wohlhabenheit ver-
5) J. Kaup. Veröffentlichungen aus dem Gebiete der Medizinalverwal- tung. Bd. V, Nr. 2. Berlin 1015.
6) K. Kiss kalt. Deutsche medizin. Wochenschrift 1915. Nr. 6 u. Nr. 20.


