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des Tiefstands, in denen sich unser Volk befunden hat), etwa nach dem dreissigjährigen Kriege oder nach 1807; in vieler Be- ziehung ist unsere Lage jetzt weniger ungünstig, weil unser Land durch den Krieg nicht verwüstet worden ist— worin freilich die Ruhrbesetzung einen verhängnisvollen Wandel geschaffen hat und weil dank den Fortschritten der Seuchenbekämpfung unser Volk von diesen früher als unzertrennliche Begleiter von Krieg, Hunger und Not auftretenden Heimsuchungen sicher geschützt ist; nur in dem einen Punkte der Bedrohung unseres Nachwuchses sehen wir uns jetzt einer Gefahr gegenüber, die damals in weniger„kultivierten“ Zeiten noch nicht vorhanden war. Es ist das Gespenst des Völkertodes, das mit knöchernem Finger an unsere Tür klopft und unser Gewissen wach rütteln sollte!
Wenn ich dieses grauenvolle Bild hier zeichnen musste und wenn ich nun der Rolle zu gedenken habe, welche die Hygiene in unserem Wiederaufstieg zu spielen be— rufen ist, so bin ich mir freilich der Ein wände wohl bewusst, die man von vornherein einem solchen Unterfangen entgegenzu- setzen geneigt sein könnte. Man wird sagen, dass eine Besserung der von mir geschilderten Zustände unseres kranken Volkskörpers nur von wirtschaftlichen Massnahmen grössten Stils zu erhoffen sei und dass, so lange es an den hierzu erforder- lichen Geldmitteln gebricht, jeder andere Versuch eines Wiederaufstiegs zum Scheitern verurteilt bleiben müsse. Zweifel los ist die Notwendigkeit grosszügiger wirtschaftlicher Mass- nahmen gleichfalls ein Gebot der Stunde, an dessen Verwirk— lichung unsere besten Köpfe rastlos arbeiten; aber diese Mass- nahmen können der Mitwirkung einer inneren Erneuerung durch zielbewusste Volkshygiene und Sittlichkeit nicht entraten und bleiben ohne sie unfruchtbar. Schon die erste Vorbedingung wirtschaftlicher Reform durch Vermehrung der Produktion ist ohne zielbewusste Arbeitshygiene nicht zu erfüllen. Erinnern wir uns, dass die grossartige Entwicklung der deutschen Industrie in den letzten Jahrzehnten vor dem Kriege nur möglich war dank der vorbildlichen und unter allen Ländern einzig dastehenden deutschen sozialen Gesetzgebung seit den achtziger Jahren und
) Prinzing. Die zukünftigen Aufgaben der Gesundheitsstatistik.— Sozialhygienische Abhandlungen. Nr. 1.(Karlsruhe i. B. C. F. Müller) 1921.


