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beklagenswerte Erscheinungen, wie sie vor aller Augen offen liegen, habe ich schon berührt; aber erst der Arzt vermag die Schädigung des kranken Volkskörpers in ihrer ganzen Schwere aufzufassen; auf manche verborgene schwärende Wunde werden wir rückhaltslos hinzuweisen haben. Unsere Verluste auf dem Felde der Ehre betrugen während des ganzen Krieges etwa 1¾ Millionen Tote; es waren gerade die Besten und Tüchtigsten in körperlicher und geistiger Beziehung, die ihr Leben für uns gelassen haben, und es ist nicht zu vergessen, dass ihr Tod eine negative Auslese für das gesamte Volk bedeutet, das hierdurch eine Verarmung an seinen wertvollsten Bestandteilen und, berechnet auf den überlebenden Volksteil, demgemäss eine zahlenmässige Verschlechterung im ganzen er— litten hat. Dazu kommen die Verluste der Zivilbevölke— rung, die wir bis zum jahre 1919 auf 800 000 Todesfälle ver- anschlagen müssen, verursacht in erster Linie durch Unter— ernährung infolge der Hungerblockade durch unsere Feinde; ich lasse diese furchtbare Zahl für sich selbst sprechen, jeder weitere Kommentar würde ihre Wirkung nur abschwächen. Die erstaunliche Lebenskraft unseres Volkes hat es ermöglicht, dass sofort nach der Wiederkehr etwas besserer Ernährung schon i. J. 1919 der normale Stand der Gesamtsterblichkeit der Vorkriegs- zeit wieder erreicht wurde und dass auch die Häufigkeit der Todesfälle an Tuberkulose, unserer verbreitetsten Volkskrankheit, die infolge der Hungerblockade auf fast das Doppelte hinauf- gegangen war, entsprechend vermindert wurde. Im letzten Jahre freilich müssen wir eine neue Verschlechterung der Volksgesund- heit buchen, wiederum hervorgerufen durch Unterernährung; der Hungerblockade folgte die Valutablockade durch die ins bodenlose gehende Entwertung unserer Währung, als Folge- erscheinung der unsinnigen feindlichen Reparationspolitiłk und der widerrechtlichen Ruhrbesetzung. Aber eine noch weit grössere Gefahr hat unserer Volksgesundheit die verhängnisvolle Entwick- lung der letzten Zeit gebracht; die Zahl der Geburten, die schon im letzten Jahrzehnt vor dem Kriege einen stetigen Rückgang aufwies und die sich erfreulicher weise in den ersten beiden Jahren nach dem Kriege bis fast auf den Stand des Jahres 1913 gehoben hatte, zeigt neuerdings einen jähen Abfall, als unmittelbarer Aus- druck der ungeheuren wirtschaftlichen Not, die auf breitesten Schichten unseres Volkes lastet. Aber noch mehr; während


