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und Pathologie als der Lehre vom gesunden und kranken Körper unterhält, steht die Hygiene in fruchtbarer Wechselwirkung mit den anderen Natur wissenschaften einschliesslich der experimen- tellen Psychologie, mit manchen Zweigen der Technik und weist zumal in ihrer neueren Entwicklung zur sozialen Hygiene wie zur Volks- und Rassenhygiene viele wertvolle Beziehungen auf zur Volkswirtschaft, Sozialpolitik, Gesetzgebung, Geschichte, Pädagogik und Sittenlehre. Diese ungewöhnliche Vielseitigkeit ihrer Stellung verdankt die Hygiene einmal dem Umstand, dass sie alle Dinge, die auf die Gesundheit des Menschen Einfluss haben, seien es Teile der äusseren Umgebung, seien es im Körper selbst gegebene innere Anlagen, in den Bereich ihrer Forschungen ziehen muss, vor allem aber der Tatsache, dass die Hygiene nicht nur eine beschreibende und erklärende, sondern gleichzeitig eine Normwissenschaft ist, dass sie nicht nur Gesetze des Geschehens ableitet, sondern gleichzeitig Normen aufstellt, die für das Handeln verbindlich sein sollen. Hierin wie in ihren höchsten Zielen berührt sich die Hygiene mit der Ethik, und diese gemeinsamen Beziehungen zwischen Gesundheits- und Sittenlehre werden für unsere weiteren Aus— führungen geradezu beherrschend sein. Diese Erkenntnis War in früheren Zeiten Gemeingut; ich brauche nur an des Dichter- arztes E. v. Feuchtersleben auch heute noch beherzigens- werte„Diätetik der Seele“ und Hufelands„Makrobiotik“ zu erinnern; ja, J. J. Rousseau hatte sich sogar zu der bei dem damaligen Zustand der wissenschaftlichen Gesundheitslehre be- greiflichen Ubertreibung hinreissen lassen, dass die Hygiene weniger eine Wissenschaft als eine Tugend sei. Andererseits Waren unter dem Einfluss der materialistischen Anschauungen in der zweiten Hälfte des neunzehnten jahrhunderts die Wesens beziehungen zwischen Hygiene und Ethik nicht immer richtig gewürdigt worden; so hatte der bekannte Nationalökonom W. Sombart) in einer i. J. 1807 veröffentlichten Studie den Aus— spruch getan, um die vermeintliche Unabhängigkeit der Sozial- und Wirtschaftspolitik von der Ethik darzutun, dass für den Arzt und Hygieniker ethische Gesichtspunkte abzulehnen und ihr Ideal im normal- funktionierenden Körper des Menschen zu suchen Sei,
) W. Sombart. Die Ideale der Sozialpolitik.(Archiv für soziale Gesetzgebung und Statistik. Bd. X. 1897.)


