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Neuere Untersuchungen über den Staatsgedanken der Griechen schliessen meist zwei innerlich nicht zusammengehörige Teile zusammen, auf der einen Seite die Geschichte und das Werden des griechischen Staatsgedankens, wie er sich im Ringen von Altem und Neuem entwickelte, das gefühlsmässige ohne logische Substruktion herbeigeführte Heranreifen zur Staatsgesinnung; auf der andern Seite staatstheoretische Betrachtung, die zwar Wirksam sein will, aber dabei den Anschluss an das Leben verliert. Das Eins— sein von Staat und Kultus ist z. B. nicht logisch begründet, sondern historisch entwickelt, d. h. wirklich geworden, dagegen der Gedanke des Staates als Ver- körperung der Idee der Gerechtigkeit ist rationaler Erwägung entsprungen und insofern unhistorisch. Das geschichtlich nicht Bedingte, sondern logisch Deduzierbare aber ist es, das über alle Zeiten und Räume hinweg seine Wir— kung ausübt, während das Verständnis der irrationalen Werte eines fremden Volkes sich nur wenigen Auserlesenen erschliessen kann, welche wissenschaft- liche Erkenntnis mit einer auch das Fremde erschauenden Erfassung zu ver- binden vermögen. Die Grenze liegt wieder bei Sokrates und nicht bei Alexander, wenn auch der Dichter in Platon durch den Sokratesschüler nicht vernichtet werden konnte. Soeben schreibt Albrecht von Blumenthal(Aischylos[1924] S. 2), nachdem er 406 als das Epochenjahr der griechischen Geschichte bezeichnet hat:„die dann folgende Neugründung des geistigen Reichs durch Platon, die entscheidende Verwirklichung eines oikumenischen Staates durch Alexander gehõôren einer neuen Weltlage an, sind nur vom Gesamtgriechischen, nicht vom Athenischen her fassbar“.
Wer von den antiken Begriffen„Hellenismus“ usw. ausgeht, und sie im Sinne Droysens von der Sprache auf die gesamte Kultur überträgt, muß diese Wortgruppe verwerten, um das„gesamtgriechische“ zu bezeichnen, soweit es„gesamtgriechisch“ ist. Alexander hat diesen Hellenismus nach dem Osten getragen, so wie etwa Droysens Vorstellung im„Alexander“ War(Vgl. Anm 1); aber das, was dort im Osten nach langen Kämpfen als Mischkultur entsteht, verdient den Namen Hellenismus ebensowenig, wie den Namen Orientalis- mus; vielmehr hat diese Mischkultur eine hellenistische und eine orientalische Seite. Entsprechend hat die in Rom entstehende Kultur eine hellenistische und römische Seite. Es gibt also nicht, wie Droysen im„Hellenismus“ meint, so viele Formen des Hellenismus, als es Kulturzentren gibt, sondern es gibt nur einen Hellenismus, der sich durch Verbindung mit den verschiedenen Formen fremder Kultur zu verschiedenen Mischformen entwickelt. Die grie- chisch sprechenden Juden sind Hellenisten, nur soweit sie griechisch sprechen oder sonst sich mit griechischer Kultur angefüllt haben; dagegen hebräische Bestandteile in der Sprache oder den Gedanken sind niemals Hellenismen, sondern Barbarismen. Die Frage, ob es sich empfiehlt, von einem Zeitalter des Hellenismus zu sprechen, indem man von einem charakteristischen Mo— mente her die Epoche bezeichnet, hat eine wissenschaftliche und eine prak- tische Seite. Für Aristarch und seine Nachfolger war die homerische Sprache Hellenismus. Isokrates sah im Zuge gegen Illion das Muster für die geplante Einigung Griechenlands, selbst in den Zeiten größter Zerrissenheit bilden Heiligtümer und Spiele ein einigendes Band, und die Perserkriege weisen auf den Hellenismus hin. Aber auch wenn man von dem allem absieht und nur die neue Bewegung zum Hellenismus ins Auge faßt, wie weit sollen wir ihn


