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Hellenismus damit erkaufte, dass er für die weitere geschichtliche Entwicklung der Menschheit seine Bedeutung einbüsste; wenn Europa und das geistig von ihm beeinflusste Amerika vor diesem Schicksal bewahrt blieben, so verdanken sie es der Tatsache, dass durch die Vermittlung des römischen Weltreiches und der daraus hervorgehenden Weltkirche die Gedanken des Welthellenismus fest verankert waren, als sich auch hier nationale Staaten bildeten, deren Bedeutung für die menschliche Weiterentwicklung sich nach dem Anteil richtet, den sie an den Gedanken des Hellenismus mittelbar oder unmittelbar genommen haben.
Sicherlich liegt in dieser Tatsache für unsere Gegenwart ein besonders schweres Problem vor, und man versteht es, dass weite Kreise aus einer gefühlsmässigen Einstellung zu dem eigenen Volkstum heraus dle überkommenen Werte des Hellenismus ab- lehnen zu müssen glauben. Aber selbst wenn wir einmal von der Frage absehen, was denn nun eigentlich von unserer Kultur und unserer Geschichte übrig bliebe, wenn wir den Hellenismus daraus tilgen wollten, bleibt doch noch die andere Tatsache be— stehen, dass es wirklich die ursprünglich nur von den Griechen erfasste reine Wissenschaft gibt, die keine zeitlichen und keine nationalen Grenzen kennt. Nicht kann es sich darum handeln, diesen Satz zu verneinen, sondern sich seiner Grenzen bewusst werden: die rationale Erkenntnis ist nicht das Ganzes“. Wohl hat jede Aufklärung damit begonnen, aus der Vernunft das Ganze ableiten zu wollen, aber letzten Endes scheiterte sie daran, dass sie die Wirklichkeit des Irrationalen verkannte, welches nun gerade im Gegensatz zum Rationalen zeitlich und örtlich gebunden ist und sich in einem Glauben offenbart, der bald der Religion, bald der Kunst, bald dem Volkstum gegolten hat und hierin das Höchste suchte. Wohl dürfte es nicht möglich sein, aus dem Rationalen das Irrationale restlos zu entfernen, oder dieses von jenem zu befreien, aber als Ziel muss diese Grenzbestimmung gelten, welche uns gestattet, im Sinne des Hellenismus die wissen- schaftliche Arbeit von allen Bedingtheiten zu befreien, die nicht durch die Wissenschaft selbst gegeben sind, und welche uns doch erlaubt, unser persönliches Dasein fest in dem Glauben an das eigene Volkstum zu verwurzeln.


