Einzelbild herunterladen

10

lern ähnliche Aufträge gegeben hatte, wie sie später Alexanders Nachfolger wiederholten, dass das Griechentum auch hier von sich aus Fortschritte zu erzielen vermochte, genau wie im Westen. Diese von Alexander unabhängige Ausbreitung des Hellenismus nach Westen ist aber auch weltgeschichtlich mindestens ebenso bedeutsam, als seine Ausbreitung nach dem Orient. Mag man immer vom Standpunkt des Entstehens des Christentums die Hellenisierung des Ostens für wichtiger halten, so konnte doch nur das hellenisierte Rom Träger und Vermittler der ganzen antiken Kultur einschliesslich der Kirche sein. Beide Vorgänge, gemeinsam betrachtet, eröffnen erst das geschichtliche Verständ- nis und zwingen gleichfalls dazu, Alexanders Reichsgründung in ihrer Bedeutung für den Verlauf der antiken Kultur nicht ein seitig zu überschätzen. In der Tat hatte die Hellenisierung auch im Osten Bestand, als die mazedonischen Waffen nicht mehr schützend hinter der griechischen Kultur standen. Diese hat sich Jahrhunderte lang fern von der Wurzel des griechischen Volkstums erhalten durch die in ihr wohnende Kraft, durch einen Reichtum an künstlerischen Gestaltungen, denen kein anderes Volk Vergleichbares entgegenstellen konnte, durch die Bereit- stellung wissenschaftlicher Begriffe, welche dem Orient gestattete, den eigenen religiösen Vorstellungen eine klarere logische Fassung zu geben, durch eine Sprache von einer unerreichten Gelenkigkeit und Gefügigkeit, die auch in fremden Sprachen gedachte Gedanken zu vollendeter Klarheit bringen konnte. Aber dies alles ist doch nur durch die eigentlich entscheidende Tatsache ermöglicht worden, dass sich bereits auf griechischem Boden der Hellenis mus gebildet hatte, welcher den Standpunkt vertrat, dass man Grieche nicht sei als Glied eines Volkes, sondern als Träger einer Kultur?, die als die menschliche Kultur schlechthin empfun den wurde. Wozu die lokal gebundene und eingeengte stadt- staatliche Kultur der klassischen Zeit nicht in der Lage gewesen Wäre, den Fremden ganz für das eigene Sein zu gewinnen, das konnte dem Hellenismus gelingen, der in dem Menschen nur den Menschen suchte und darum an keiner Grenze Halt machte, wo man Menschentum fand. Hierin lag die Grösse, aber auch die Schwäche des Hellenismus; denn sobald nationale Gebilde aus der Kraft ihres Volkstums ihr Selbstbewusstsein zogen, musste deren Anprall zu einer Gefährdung des Hellenismus führen; freilich unterlegen ist er nur im Orient, der seinen Sieg über den