Einzelbild herunterladen

e

Dekadenz erblickte, wenn er die Frage aufwirft, ob Platon ohne den Einfluss dieses Mörders der aus der Musik geborenen Tragödie nicht einen noch höheren Typus des philosophischen Menschen gefunden hätte, und wenn er in Sokrates, diesem häss- lichen Athener, die Selbstzerstörung der Griechen sich vollziehen sieht. In der Tat liegt der grosse geistige Umbruch da vor, wWo die menschliche Vernunft in einer Uberschätzung ihrer Fähig- keiten nur noch das anerkennen will, was vor ihrem Richterstuhle bestehen kann. Dieser logisch anscheinend unanfechtbare und der menschlichen Eitelkeit schmeichelnde Gedanke hat sich im Kampfe gegen die Tradition immer durchzusetzen vermocht. Auch damals kam der ausgesprochen individualistische Zug der ganzen Bewegung dem Triebe der starken Willensmenschen entgegen, die aus der sophistischen Lehre den Schluss ziehen durften, dass in der Befriedigung des eigenen Wollens, in der Vollendung des eigenen Könnens die Aufgabe des Menschen in der Gesellschaft bestehe. Gewiss hat Platon gegen diese Lebensauffassung einen harten Kampf geführt, und namentlich in seinem Buche vom Staate versucht, den Stadtstaat auf sittlicher Grundlage wieder aufzubauen. Aber gerade dieses Werk, das hohe Lied auf den Staat, welches über alle Zeiten hinweg noch mahnend zu unserer Generation spricht, zeigt durch seine Existenz, dass die geschicht- liche Entwicklung des Stadtstaates vorüber war; denn die rationale Begründung einer Staatslehre mit ihrer Forderung nach beruf- licher Vorbildung der Staatslenker ist grundsätzlich verschieden von dem voll empfundenen Staatsgefühl sämtlicher Bürger, die gleich befähigt und berechtigt zum Dienste des Staates sind. So hat denn auch Platos Staatslehre das sich erfüllende Schicksal des Stadtstaates nicht aufhalten können, und sie darf uns am wenigsten in dem Urteile wankend machen, dass die Lebens- formen des Hellenismus sich bereits durchsetzen.

Ist die hier vorgetragene Auffassung richtig, dann muss allerdings das Wirken Alexanders des Grossen für die Grund- legung des Hellenismus ausgeschaltet werden'; wohl hat er durch den Erfolg seiner Waffen es ermöglicht, dass das zu einer Einheit zusammengewachsene Griechentum seinen gewaltigen Vorrat an Kulturgütern dem Orient schneller mitteilte, und dass es in viel weitere Gegenden hinausgetragen wurde; aber selbst auf diesem Gebiete zeigt uns ein Mann wie Maussolos von Karien, der sein Land bereits längst hellenisiert und griechischen Künst