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gänzten Kriegsdienstpflicht und politische Rechte einander: zuerst sind bei der Flotte, dann auch im Landheere Soldtruppen heran— gezogen worden, die jedoch mehr wie ein Notbehelf zu den eigentlichen Bürgerheeren hinzutraten. Von 400 ab ändert sich das Verhältnis; es bilden sich berufsmässige griechische Söldner— korps, die sich aus allen Gebieten Griechenlands ergänzen und durch diese ihre Zusammensetzung Träger der hellenistischen Bewegung werden, die aber zu gleicher Zeit dahin wirken, dass allmählich die Bürgeraufgebote in den Hintergrund gedrängt werden, und die Bürger selbst sich der höchsten Staatspflicht entziehen, das Vaterland in der Stunde der Not zu verteidigen. So ist die Existenz der Söldnerheere ebensosehr ein Charakte- ristikum des Hellenismus wie ein Beweis für das Versagen des alten Staatsgedankens.
Dieses tritt uns drittens auf 1 5 im engeren Sinne geistigen Gebiet, d. h. in der neuen Lebensanschauung, entgegen. Die Anerkennung der überkommenen sittlichen und staatlichen Gebote hatte in der früheren Zeit den Menschen zur Selbstbescheidung gezwungen; ungestraft konnte man nicht gegen den e, gegen Gesetz und Sitte angehen. Wo aber war diese feste Gebunden— heit zu finden, wenn nach Athen Tausende von Fremden strömten, welche die Sitten ihrer Heimat als ebenso bindend anerkennen durften? Zudem hatte eine emsig sammelnde Literatur in den weit vorgeschrittenen ionischen Handelsstädten Kleinasiens sitten- geschichtliches Material aus den fernsten Gegenden zusammen- getragen?! und sich an ihm erfreut, ohne sich durch Bedenken einer traditionellen Moral beirren zu lassen. Wenn man 2. B. las, dass bei gewissen Barbaren die Tradition gebot, dass die Kinder die verstorbenen Eltern verzehrten, Wo war da noch der objek- tive Masstab, nach dem man bemessen konnte, was recht, was unrecht sei? lonische Erzählungen und ionische Reiseberichte gelangten aber sicher nicht allein durch Herodot nach Athen; ich kann nicht daran zweifeln, dass eine Frau von der Bildung der Milesierin Aspasia, die durch ihren Geist einen Perikles und nicht ihn allein bestrickt hatte, eben durch ihre Gaben solcher jonischer Literatur, die man jüngst mit Boccaccio verglich, zur Verbreitung geholfen habe, und ihren für die Athenerinnen so anstössigen Verkehr mit Männern mag sie vor sich und andern durch den Hinweis auf das fortgeschrittene Ioniertum gegenüber der Enge athenischer Tradition gerechtfertigt haben.


