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Mächte, sondern nur grössere Organisationen in der Lage waren, die Verteidigung des griechischen Landes auf die Dauer siegreich durchzuführen. So schuf Athen zunächst einen Bund, in welchen es selbst als Vormacht, aber doch immerhin als ein Glied neben den andern eintrat; doch das politische Schwergewicht verschob sich in diesem Bunde immer mehr zu Gunsten Athens, so dass schliesslich ein athenisches Herrschaftsgebiet entstand. Hätte man sich damals, um 450, innerlich bereits von den eingeengten stadt- staatlichen Bürgerrechtsanschauungen befreien können, so hätte — um ein Wort des XIX. Jahrhunderts auf die Antike anzuwenden— Athen im Reiche aufgehen müssen, und ein höheres Reichsbürger— recht hätte alle Glieder des Reiches umschlossen. Aber der Stadt- staat versagte: die athenische Demokratie dachte nicht daran, ihr Bürgerrecht anderen zu gewähren, sondern schränkte es in aller Schärfe auf die reinen Athener ein l. Die anderen Staaten jedoch, die sich der Führung Athens anvertraut hatten und nun seiner Herrschaft zugefallen waren, wurden zur Befriedigung der poli— tischen und wirtschaftlichen Bedürfnisse des athenischen Volkes missbraucht. Bei aller Bewunderung für das perikleische Athen soll man nicht vergessen, dass der Glanz Athens erkauft wurde durch die Vergewaltigung der Bundesgenossen, auf deren Kosten der grösste Teil des athenischen Volkes lebte!s. Es war umsonst, dass einsichtige Athener gegen die Gewaltherrschaft der atheni- schen Demokratie protestierten; der so scharf beobachtende Historiker Thukydides zeigt uns vielmehr in aller Deutlichkeit, Wie rücksichtslos das Vorgehen der Stadt wart. Menschliche Berechnung entscheidet sich nur dann für das Gerechte, wenn es der Vorteil erheischt; andernfalls gilt das Recht des Stärkeren, welches als ein ewiges Naturgesetz das menschliche Leben be- herrscht. Wir haben, so erklären die Athener, dieses Gesetz nicht gegeben; wir sind nicht die Ersten, die nach ihm verfahren, und werden nicht die Letzten sein. Solche Maximen, auf deren philo— sophische Begründung wir noch werden eingehen müssen, sind dem athenischen Volke von seinen Führern vorgetragen worden; Was Wunder, dass es sich über die Gerechtigkeit, diese Zuflucht der Schwachen, hinwegsetzend seinem vermeintlichen Nutzen nachjagte?
Freilich brach gerade darüber das athenische Reich im pelo- ponnesischen Kriege zusammen, aber die von ihm nicht gelöste Aufgabe der Zusammenfassung Griechenlands gegen Persien blieb nun erst recht bestehen; und sie erfolgte dadurch, dass an die


